Akademie-Woche 3/Das Grips-Theater ist zu Gast

RÜCKBLICK 55 aus dem #TagebucheinerTräumerin, April 2019: Woche 3 ist auch wieder mega anstrengend. Eigentlich hab ich bereits meine ganze Energie 😟 verbraucht, als das Grips Theater auf dem Programm steht. Wir bekommen die Möglichkeit, unsere Projekte vorzustellen und die „Gripsianer“ prüfen die Stoffe auf Theatertauglichkeit. Hintergrund des Besuches ist es, dass wir uns für einen Theaterpreis bewerben dürfen. Der Gewinner bekommt ein Stipendium und darf im kommenden Jahr zusammen mit den Profis in Berlin ein Kindertheaterstück entwickeln. WOW! ⁠
Nachdem wir Feedback zu unseren Stoffen bekommen haben, haben wir 90 Minuten Zeit, eine Szene fürs Theater zu schreiben. Für mich der Stresspunkt total, denn ich bin überhaupt nicht auf Knopfdruck kreativ. Meistens brauche ich eine Nacht, dann macht es „Bang!“ und ich weiß, wie die Szene aussehen soll. Aber sofort? 🤨⁠
Alle hacken in die Tasten. Ich geben auch mein Bestes, schreibe aber nicht wirklich etwas Neues, sondern übertrage Dialoge aus meiner Leseprobe in eine Theaterszene. ⁠
Ohne Fleiß kein Preis – wie es schön heißt. ⁠
Und den Preis bekommen wir alle schon am selben Abend: denn die Theaterleute lesen die Ergebnisse szenisch. Ich sitze gebannt im Publikum, lausche den Texten der anderen, dann endlich kommt meine Szene an die Reihe. Es ist ein Vater-Sohn-Konflikt. Und das Tolle: meine Figuren erwachen durch die Schauspieler plötzlich zum Leben. Ich höre sie reden und streiten. Für ein paar Minuten sind sie wirklich da. Sie sind nicht mehr nur Buchstaben auf Papier oder Bilder in meinem Kopf. Sie sind lebendig und mit mir in diesem Raum. ⁠
Der Moment berührt mich tief. (Auf dem Foto könnt ihr mich vorne links sehen. Ich war so happy). ⁠
Danke Grips, danke AKM. ⁠
Foto: Erek Kühn/Akademie für Kindermedien⁠

Akademie-Woche 3/Der Schulbesuch

RÜCKBLICK 54 aus dem #TagebucheinerTräumerin, April 2019: ⁠
Nach ein paar intensiven Wochen „Heimarbeit“ an meinen beiden Buchprojekten treffen wir uns alle wieder im Augustiner-Kloster in Erfurt. Die Wiedersehensfreude ist groß. Es herrscht Klassenfahrt-Atmosphäre. 🤩 Ich freue mich auf die Tage voller Kreativität und die Abende voller Bierseligkeit und schöner Gespräche. ⁠
Ein Höhepunkt dieser Woche ist der Schulbesuch. Jeder von uns hat die Chance, seinen Stoff mit Hilfe der Zielgruppe weiterzuentwickeln. Wir sollen die Kinder jedoch nicht unterhalten. Das Ziel ist es, in einer Art Workshop interessante Erkenntnisse für das Projekt zu gewinnen. Ist das Thema interessant für die Zielgruppe? Haben die Kids vielleicht Ideen für die Storyworld, den Plot, das Ende oder die Figuren? Gerüchte kursieren, dass schon mal ein ganzes Thema in die Luft geflogen ist, weil die Kinder es total langweilig fanden. Das macht Mut! 😛⁠
Ich entscheide mich dazu, mehr darüber herauszufinden, was die Kinder so bewegt. Deshalb habe ich Flipcharts vorbereitet, die sie in Gruppen bearbeiten. Das Thema ist „Konflikte“: Alles, was die Liebe zerstört! Was macht Familien kaputt? Woran zerbrechen Freundschaften? ⁠
Wie immer macht es mir die Lampenfieber-Fanni 🤒 sehr schwer, meine Nerven im Griff zu behalten. Aber im Klassenzimmer übernimmt die taffe Fanni dann doch das Ruder und zieht es irgendwie durch. Die Kids sind sehr interessiert und arbeiten toll mit. Ich bin überrascht über ihre vielschichtigen Gedanken (4. Klasse) und die Erfahrungen, die sie schon gemacht haben. Vor allem die Kids aus Patchwork-Familien reden sehr offen über Konflikte daheim, aber auch Liebe und Freundschaft bewegt die Kinderherzen. All ihre Gedanken nehme ich als Geschenk mit zurück in die Akademie. ⁠
Auch für zukünftige Projekte ist es eine wunderbare Methode! ⁠

Schnee-Gruppenbild

RÜCKBLICK 53 aus dem #TagebucheinerTräumerin, Januar 2019: die Woche in Bayern ging so schnell vorbei. Am Ende gab es noch ein Gruppenbild. Wollte ich euch nicht vorenthalten. Schnee ist ja so selten heutzutage. ⁠

Impro-Waaaaaassss?

RÜCKBLICK 52 aus dem #TagebucheinerTräumerin, Januar 2019:
Der angebliche Höhepunkt der zweiten Akademie-Woche ist ein Workshop mit @diegorillasberlin. Impro - Waaassss?😯
Ramona (Mitte Foto) und Billa sind zwei Tage am Start, um mit uns in die Welt des Improvisations-Theaters einzutauchen.
Ganz unter uns: ich möchte ein Buch schreiben. Wenn ich ans Theater gewollt hätte, hätte ich mich doch an einer Schauspielschule beworben, oder nicht? Zum Glück bin ich nicht allein mit meiner Bühnenpanik. Die anderen Bücherwürmer sehen auch ganz blass aus. 😕 Zum Glück sind Ramona und Billa ganz achtsam. Daher machen wir erstmal einen ganzen und einen halben Tag Übungen in der Gruppe. Doch es kommt, wie es kommen muss. Am Ende des Trainings lauert eine „Einzelaufgabe mit Zuschauern“. „Schlüpfe in eine deiner Figuren“ – das ist die Aufgabe. Ich bin schrecklich aufgeregt. Ich habe mich für die weibliche Protagonistin (14 Jahre) meines Jugendbuches entschieden. Ziel ist es, über das Improvisations-Theater mehr über die Figur zu erfahren. So lande ich zu Beginn der „Reise“ in einem Zirkus. Neben mir sitzt Trainerin Ramona und stellt mir Fragen. Sie weiß nichts über meine Geschichte, auch nicht über die Figuren. Nach und nach erfährt sie so mehr über „mich“. Dann wechselt sie den Ort. In meinem Zimmer zeige ich ihr alles. Mein Bett und meine Plattensammlung. Wir reden über meine Familie, meine erste Periode und meinen kleinen Bruder. Inzwischen habe ich vergessen, dass alle zusehen. Am Ende wird es hochemotional. Ich stehe vor einem Spiegel und weine. 😢 Auch alle im Raum sind tief getroffen. Ramona ist es gelungen, meine harte Schale zu knacken, meinen tiefsten Schmerz zu triggern. Zum ersten Mal fühle ich mich wirklich verbunden mit meiner weiblichen Hauptfigur. Ich bin sie und sie ist ich. Es ist eine unglaubliche Erfahrung.
Foto: Erek Kühn/ AKM Erfurt

Fotos aus Akademie-Woche 2 am Starnberger See

Was für eine Chance

RÜCKBLICK 50 aus dem #TagebucheinerTräumerin, November 2018: ⁠
Neben der Arbeit an unseren Kindermedien-Projekten bietet die Akademie uns in der ersten Woche auch tolle Vorträge von Experten und besondere Begegnungen. In Lenzen sind zwei Autorinnen zu Gast: Antje Herden und Janet Clark. Sie plaudern an einem Abend aus dem Nähkästchen. Spannend ist vor allem ihre Herangehensweise: Antje Herden ist der Bauchtyp, der einfach drauflos schreibt. Janet Clark dagegen schwört aufs Planen. ⁠
Außerdem erfahren wir auch mehr über das Kooperationsprojekt. Dazu wurden alle 12 Teilnehmer noch einmal wild durcheinander gewürfelt und in drei Teams eingeteilt: das Team ZDF, das Team Kika und das Team @Magellan. Alle Teams bekommen einen zusätzlichen Auftrag. ⁠
Ich bin mega happy🤩, dass ich beim Magellan-Projekt dabei sein darf, denn es bedeutet, dass ich im Auftrag des Kinder- und Jugendbuchverlages ein Kinderbuch ab 10 Jahre entwickeln darf. Zwei Lektorinnen (Hanna Schneidawind und Barbara Dietzel auf dem Foto) sind zu Gast und weihen uns in die Vorgaben ein. Wer von uns Vieren sie am Ende mit seinem Stoff überzeugen kann, dem winkt ein Verlagsvertrag. WOW! Was für eine Chance. Zum ersten Mal ist mein Traum zu Greifen nah. ⁠
Für eine Millisekunde spüre ich Erfolgsdruck 🤨und begreife, dass die anderen jetzt auch irgendwie Konkurrenz sind, aber davon werde ich mich auf keinen Fall beeinflussen lassen. Ich habe mir eins fest vorgenommen: Ich werde jeden Moment dieses Abenteuers feiern, ganz gleich, was am Ende dabei herauskommt, denn wer immer nur das Ziel vor Augen hat, vergisst, die Reise zu genießen. Das Leben kann soooo schön sein. Jetzt und hier!⁠🤗⁠
Foto: Erek Kühn/www.akademie-kindermedien.de⁠

Alle Verrückten auf einen Blick

RÜCKBLICK 49 aus dem #TagebucheinerTräumerin, November 2018: ⁠
Damit ihr seht, dass ich nicht die einzige bin, die ein bisschen crazy ist und gerne mal mit Figuren im Kopf spricht, hier mein Lieblings-Gruppenbild. AKM-Jahrgang 18/19.⁠
Foto: Erek Kühn/www.akademie-kindermedien.de⁠

Die Bücherwürmer

RÜCKBLICK 48 aus dem #TagebucheinerTräumerin, November 2018: ⁠
Mitten im Nirgendwo findet unsere erste Akademiewoche statt. Vom Saarland aus brauche ich zwei Anreisetage bis ins brandenburgische Lenzen. Aber der Reisestress hat sich gelohnt. Das Burghotel Lenzen ist mit Barockgarten und plüschigen Räumen ein inspirierender Ort. 😊 Eine Woche habe ich nun Zeit, an meinen Projekt zu arbeiten, innerhalb meiner Gruppe Buch, aber auch in gemischten Gruppen, damit ich auch von der Sichtweise der Drehbuchautoren und der Weltenbauer profitiere. ⁠
Das Prinzip der Akademie gefällt mir: alle sind bereit, zu geben und zu nehmen. Niemand versteckt seine Ideen. Vertrauen ist die Basis. Wie in einem großen Writersroom arbeiten wir alle gemeinsam an unseren Stoffen. In der ersten Woche steht für die „Bücherwürmer“ das Plotten auf dem Programm. Mentorin Marion leitet uns an, wir erschaffen die Handlungsstränge für unsere Geschichten.🤔 „Gut geplant, ist halb geschrieben“, lautet das Motto. Um den Kopf freizubekommen, gehen wir viel durch die Elbauen spazieren. Dann sitzen wir wieder im Konferenzraum und halten unsere Ideen auf Moderationskarten fest. Raum und Zeit gehen völlig verloren.⁠
Nachts wache ich oft auf und habe plötzlich die Lösung für ein Logikproblem im Plot. Mein Jugendbuch fordert mich sehr. Ich muss vier Stränge parallel denken. Meine Geschichte ist figurengetrieben, das heißt, dass ich die innere Entwicklung der beiden Hauptfiguren, ihre Freundschaftsgeschichte und einen Krimiplot miteinander verweben muss. Es sprengt mein Gehirn, aber es ist auch großartig, wenn diese lichten Moment kommen und plötzlich die Puzzleteile ineinanderpassen.⁠🤩⁠ Jeden Tag muss ich mich kneifen, damit ich verstehe, dass das hier alles wirklich passiert. Ich bin Teil von etwas ganz Wunderbarem und sooo dankbar dafür. ⁠🤗⁠
Foto: Erek Kühn/www.akademie-kindermedien.de⁠

Die fliegende Oma

RÜCKBLICK 47 aus dem #TagebucheinerTräumerin Ende Oktober 2018: ⁠
Manchmal passieren wirklich sehr seltsame, unerklärliche Dinge. Als ich zum ersten Mal nach meiner Akademiewoche meine Eltern besuche, sagt meine Mutter irgendwann zwischen Kuchen und einer Partie Rommé: „Ich hab im Keller aufgeräumt und eine Kiste gefunden. Da sind noch alte Sachen von dir drin.“ ⁠
Alte Sachen? Ich überlege, was das sein könnte? Wahrscheinlich von der Uni. Das ist mein erster Gedanke. Doch irgendetwas sagt mir, es könnte auch etwas anderes sein. Ein alter Schatz, den ich längst verloren glaubte. ⁠
Aufgeregt laufe ich los. ⁠
Eine muffige, alte Umzugskiste klotzt mich aus ihrer dunklen Ecke im Heizungskeller an. Ich ziehe sie ins Licht und öffne sie voller Spannung. ⁠
Ist es mein Schatz oder doch nur eine Sammlung alter Soziologie-Bücher? ⁠
Erst spüre ich diesen dicken Kloß im Hals, dann muss ich weinen - vor Freude. In der Kiste befinden sich tatsächlich all meine alten Geschichten, die ich als Kind geschrieben habe. Sogar „Die fliegende Oma“ ist dabei. Ich kann nicht glauben, dass sie genau jetzt zu mir zurückgekommen sind, die Figuren von damals, die ich irgendwann einfach weggesperrt habe – genau wie meinem Traum vom Schreiben. ⁠
Kann das ein Zufall sein? ⁠
Und dann fällt mir ein Zettel in die Hände. Es ist ein Brief von meiner damaligen Deutschlehrerin. ⁠
„Liebe Fanni, deine Gedichte sind von außergewöhnlicher Ausdruckskraft und eindringlich in der Sprache. Herzlichen Glückwunsch zu dieser beeindruckenden Leistung. Ich würde dir wünschen, dass Du Deine Sprache zu einem Mittel machen könntest, mit dem Du Gefühle, Eindrücke und auch Bedrückendes in Worte fassen kannst. Wer dazu in der Lage ist, hat mehr erreicht als die meisten. Wag es! Du hast das Zeug dazu!“ ⁠
Liebe Frau Schreiner, es hat 25 Jahre gedauert, aber jetzt bin ich soweit. Ich wage es! ⁠

Beruf oder Berufung?

RÜCKBLICK 46 aus dem #TagebucheinerTräumerin 10. Oktober 2018: ⁠
Ich habe lange nachgedacht. Alles oder nichts. Ich kann unmöglich, Vollzeit-Tagesmutter und Autorin sein. Das packe ich auf keinen Fall beides. Die Baby-WG saugt einem alle Energie aus. Es wäre kaum Zeit übrig, um mein Buchprojekt mit vollem Einsatz voranzubringen. Auch wenn sich die Akademie-Gruppe in den nächsten Monaten nur vier Mal für eine Woche trifft, müssen wir zwischendurch viel Zuhause arbeiten. ⁠
Meinen Brotjob aufzugeben, bedeutet dann aber auch weniger Familieneinkommen. Nebenher arbeite ich noch als Dozentin für Kindertagespflege. Das wäre dann das einzige Geld, das ich beisteuern würde. Zumindest bis zum Ende der Akademie. ⁠
„Ich stehe voll hinter dir. Du musst das jetzt machen“, sagt mein Mann Mick, auch wenn ich ihm ansehe, dass er ein bisschen Angst hat, ich könnte mit einem jungen Drehbuchautor durchbrennen. „Wir kommen auch so über die Runden. Irgendwie.“ ⁠
Ich umarme ihn fest. Unglaublich. Ich bin dankbar und demütig für diese Chance! Mein Mann schenkt mir acht Monate Zeit für meinen Traum. Ich werde alles geben, mich voll in mein Buchprojekt reinknien und jeden Moment auskosten, denn wer kann schon von sich sagen, dass er seinen Traum leben darf. ⁠
„Aber es ist schon klar, dass ich dann auch irgendwann dran bin!“⁠
Wie meint er denn das jetzt? ⁠
„Wenn du deinen Bestseller geschrieben hast und hier die Kohle fließt, dann fahre ich alleine nach Vietnam. Da wollte ich immer mal hin“, sagt Mick und grinst. „Drei Monate von Suppenküche zu Suppenküche ziehen. Ein kulinarischer Traum. Deal?“ ⁠
Was soll ich sagen. Jeder hat ein Recht auf seine Träume. ⁠
„Deal!“⁠

 

Der Hut hat gesprochen

RÜCKBLICK 45 aus dem #TagebucheinerTräumerin, 5. Oktober 2018: ⁠
Ich will so sehr, dass es klappt. Ständig verdränge ich den Gedanken, dass eine Absage kommen könnte. Das darf nicht passieren. Übers Wochenende besuche ich meine liebste Studienfreundin in Leipzig. Es tut gut, zu quatschen und im Zoo spazieren zu gehen. Die ganze Last der letzten Tage fällt von mir ab. ⁠
„Wann sagen sie Bescheid?“, fragt sie, während wir den Baby-Affen 🐒 beim Schaukeln zusehen. ⁠
„Sie entscheiden sich so schnell wie möglich. Spätestens am Montag, denke ich. Ich weiß nicht, wie ich das aushalten soll. Fühlt sich an, als wäre es noch ewig bis dahin.“ ⁠
Dann plötzlich: mein Handy fiept. 📲⁠
Es ist 15.34 Uhr an diesem schicksalshaften Freitag im Oktober des Jahres 2018. ⁠
Mit zitternden Fingern klicke ich auf die Mail: ⁠
„Liebe Fanni, ⁠
unser Team hat die Konferenz beendet und sich über alle Bewerber*innen ausführlich beraten. Ich freue mich sehr, Dir mitteilen zu können, dass Du für das Stipendium der Akademie für Kindermedien 2018/2019 im Bereich BUCH ausgewählt worden bist. Herzlichen Glückwunsch!“⁠

Falls ihr jetzt Lust bekommen habt: www.akademie-kindermedien.de⁠

Ja, ich will

RÜCKBLICK 44 aus dem #TagebucheinerTräumerin, 4. Oktober 2018: ⁠
Wir sitzen alle in einer großen Abschluss-Runde. Nach vier Tagen im Bootcamp fällt der Abschied schwer. Ich finde all diese Träumer großartig! Endlich bin ich von Menschen umgeben, die alle den Kopf voller Figuren und Geschichten haben. Endlich kann ich mit anderen über meine Ideen reden, ohne mir völlig bescheuert oder seltsam vorzukommen. Es könnte immer so weitergehen. ⁠😁⁠
Aber die Wahrheit ist hart: von 20 Bewerbern werden es nur 12 genommen. Jeder soll jetzt sagen, ob er überhaupt am Stipendiaten-Programm teilnehmen möchte und wenn ja, warum.⁠
Tatsächlich sind sich zwei nicht ganz sicher, die anderen aber wollen unbedingt. So wie ich! Lampenfieber-Fanni drückt mir von hinten die Kehle zu, als ich an der Reihe bin. Aber zum Glück sitzt die kleine Fanni auf meinem Schoß und hält fest meine Hand. ⁠
„Ja, ich will dabei sein“, lege ich mit zarter Stimme mein Bekenntnis ab. ⁠
„Das ist nicht genug. Sag, was du fühlst“, wispert mir die kleine Fanni ins Ohr. Ich spüre, dass mein Gesicht rot wird. Ich zittere, aber es ist meine Chance. Ich muss es jetzt sagen. ⁠😓⁠
Also nehme ich all meinen Mut zusammen. ⁠
ICH KANN. ⁠
ICH WILL. ⁠
ICH TUE ES. ⁠
... und sage es: „Ich bin einen langen Weg gegangen, um dort anzukommen, wo ich hingehöre: als Autorin unter Autoren. Hier und jetzt bin ich endlich richtig.“ ⁠
Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass Studienleitung und Mentoren das genauso sehen. ⁠

Mehr Infos zur Akademie unter www.akademie-kindermedien.de⁠

Das Auswahlverfahren

RÜCKBLICK 43 aus dem #TagebucheinerTräumerin, 2. Oktober 2018: ⁠
Zahnfleisch, ich krieche bereits an Tag zwei auf dem Zahnfleisch. Raum und Zeit sind mir völlig entglitten. Ich habe Kopfschmerzen und mir ist übel. Es kann unmöglich nur die Aufregung sein. Ich habe mir irgendeinen Virus eingefangen. Ich schwitze auch nachts kränklich vor mich hin und mache fast kein Auge zu. ⁠
Die Tage im Auswahlcamp sind hart getaktet. Es gibt keine Minute zum Verschnaufen. 😟 Vorträge zum Buchmarkt, Storytelling oder Dramaturgie, zwischendurch Gesprächsrunden in Raum Worms. Jeder darf dort sein Projekt den anderen Teilnehmern vorstellen. Das ist toll, aber auch kräftezehrend. Lampenfieber-Fanni ist außerdem immer an meiner Seite! 🤒 Ich kriege sie nicht in den Griff. ⁠
Aber ich versuche durchzuhalten. Und dann diese Einzelinterviews! Es ist der Horror, aber zugleich auch die Chance, mit seinem Projekt und seiner Persönlichkeit zu überzeugen. Denn sie machen sich ein Bild von jedem Teilnehmer, wie ein Puzzle, aus allen Eindrücken, die sie im Laufe der Tage bekommen können. ⁠
Ich stehe am Imbiss-Tisch und mache mir einen Tee. Ich bin völlig fertig. 🤯 Heute geht es wieder bis 22 Uhr. Ich hab keine Ahnung, wie ich das schaffen soll. Zudem hab ich noch zwei Hausaufgaben aufbekommen. Einmal muss ich eine lustigen Film-Dialog schreiben, dann eine Szene aus der Ich-Perspektive. Sie testen mich. ⁠
Aber vorher steht noch „Plotten mit Playmobil“ auf dem Programm. Ha! Da macht mir keiner was vor. Ich bin schließlich Tagesmutter. ⁠
⁠Foto: Erek Kühn (AKM Erfurt)⁠

Unter der Linde

RÜCKBLICK 42 aus dem #TagebucheinerTräumerin 30. September 2018: ⁠
Wie es sich für Autoren gehört, treffen wir uns nicht irgendwo. Nein. Treffpunkt ist "unter der Linde".🤣 Ich frage an der Rezeption nach, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich auf Anhieb eine Linde erkennen würde.🤷🏻‍♀️ Die Dame zeigt auf den Baum am Ende des Hofes direkt vor der Lutherpforte. Man muss nur am „Haus der Versöhnung“ vorbei und dann ist es gleich gegenüber des Renaissancehofes. Einfach herrlich. Ich fühle mich schon jetzt voll inspiriert von dieser wunderschönen historischen Umgebung. ⛪⁠
Jetzt bin ich erstmal gespannt, wen das Schicksal sonst noch hierher nach Erfurt geweht hat. Um die Linde herum drücken sich bereits ein paar Leute. Ob es Touristen oder Autoren sind? Ich bin so gespannt. Manche sehen eher sportlich aus in Jeans und T-Shirt, andere auch schick in Röckchen, Highheels und mit viel Farbe im Gesicht. Auf jeden Fall sind sie alle viel jünger als ich. 20, 25, maximal 30 Jahre alt. ⁠
Wo sind denn bloß die anderen von meiner Sorte? 🧙🏼‍♀️Die Mütter und Mitvierziger, die es noch mal wissen wollen. ⁠
Da endlich: ein roter Mantel nähert sich. So rot wie meiner. Ich kenne die Frau. Wir sind uns eben noch im Treppenhaus begegnet, beide dabei, einen Monsterkoffer die schmalen Treppen hinauf zu hieven. ⁠
Sie hat blonde Locken, ein fröhliches Lachen und ist definitiv in meinem Alter. ⁠
„Auch Akademie?“, frage ich vorsichtig. Sie nickt. ⁠
„Auch wieder mal viel zu viel eingepackt?“ Ich nicke. ⁠
Mehr Worte braucht es nicht. Das passt. 🤩⁠

 

Ankunft in Hogwarts

RÜCKBLICK 41 aus dem #TagebucheinerTräumerin  30. September 2018: Gut, es war nicht der Hogwarts-Express von Gleis 9 ¾, sondern ein stinknormaler ICE von Gleis 5 am Saarbrücker Hauptbahnhof, mit dem ich nach Erfurt gefahren bin. Auch ist es kein Schloss, in dem der Auswahlworkshop stattfindet, sondern ein Kloster, aber ich fühle mich trotzdem wie Harry Potter bei seiner Ankunft in Hogwarts. Statt Ravenclaw, Hufflepuff, Gryffindor und Slytherin gibt es hier Gruppe Buch, Gruppe Film und Gruppe Storyworld. Jede Gruppe hat einen (De)-Mentoren 😱und einen Co-(De)-Mentoren.

Und wer weiß? Vielleicht wird am Ende der Auswahlphase ein sprechender Hut 🎩verkünden, wer es in welche Gruppe geschafft hat. Ich bin auf alles vorbereitet. Ein magisches Abenteuer ist es schon jetzt für mich. 🌠

 

Ich und die anderen Fannis

RÜCKBLICK 40 aus dem #TagebucheinerTräumerin  30. September 2018:
Es ist eng im Abteil. Nicht, weil so viele Leute an diesem Sonntag nach Erfurt unterwegs sind, sondern weil ich ein paar andere Fannis mitgebracht habe. Abgesehen von der kleinen Fanni🤗, die mit mir auf Reisen geht, weil sie diejenige ist, die mit vollem Herzen an mich glaubt, habe ich auch noch die taffe Fanni 😎dabei. Sie wirkt auch in Krisen nach außen unglaublich ruhig und souverän. Ich musste sie mitnehmen, weil sich im letzten Moment noch die Lampenfieber-Fanni 🤒an mich drangehängt hat. Sie ist sowas von lästig. Ihr ist permanent schlecht.😩 Immerhin konnte ich die Panikattacken-Fanni 😨zu Hause im Bad einsperren. Sie hat alles versucht, um mitzukommen. Aber dieses Mal nicht. Sie könnte alles versauen. Sie bekommt Herzrasen und Schwindel und sie hat immer das Gefühl, jeden Moment sterben zu müssen.

Aber ich habe Meine-beste-Freundin-Fanni😍 an meiner Seite. Egal, wie es kommt: sie mag mich, wie ich bin und sie wird mich trösten, wenn die Sache nicht gut ausgeht. Oh. Die kleine Fanni guckt gerade ganz böse: „Natürlich geht es gut aus“, raunt sie mir zu. „Zusammen schaffen wir das.“❤

 

 

Die Sache mit den inneren Werten

RÜCKBLICK 39 aus dem #TagebucheinerTräumerin  28. September 2018:

 

„Was wird gemacht?“ Ich sitze beim Friseur @haar_team_bock. In zwei Tagen fahre ich nach Erfurt zur Akademie für Kindermedien. Natürlich muss ich das Auswahl-Komitee auch mit meiner Persönlichkeit überzeugen, aber die Wahrheit ist: Ich bin Mitte Vierzig und mir wachsen bereits etliche graue Haare. 😣 Klar, ihr denkt jetzt. Ist doch egal, die inneren Werte zählen. Aber mal ehrlich: wenn man in den Spiegel blickt und findet, dass man heute aussieht wie ein trauriger alter Furz☹, dann verhält man sich auch so, schleicht mit hängenden Schulter herum, lächelt nicht und plötzlich denken alle: Meine Gott, die ist aber ein … Das darf auf keinen Fall passieren. Ich brauche eine frische und fröhliche Version meiner Selbst.
„Waschen, schneiden, färben. Und ein bisschen Botox“, sage ich daher grinsend.
Meine Friseurin grinst zurück. Sie weiß, dass ich nur spaße. Botox-Gesichter gibt es hier nur in den in den Glamour-Zeitschriften im Wartebereich. Entspannt begebe ich mich in die Hände der Fachfrau, die nicht nur meine Haarstruktur und jeden Wirbel auf meinem Kopf kennt, sondern auch all meine Jugendsünden😎. Schon in der Grundschule haben wir wilde Kindergeburtstage 🎉 zusammen gefeiert, mit Eierlaufen und Topfschlagen, später dann wilde Sturmfrei-Partys, mit *** und *** . Auch danach, als wir erwachsen werden mussten, haben wir uns nie aus den Augen verloren. Die Party wurden weniger, wir sahen uns seltener, aber sie war immer für mich da, auch in meinen schlimmsten Krisen: mit einem offenen Ohr, mit aufmunternden Worten, aber auch mit Glätteisen und Geschäftsfrauen-Puder. Auch heute ist es nicht anders. Sie gibt sich extra viel Mühe, weil sie weiß, was auf dem Spiel steht. Sie kennt meine Träume und fiebert mit mir mit.
Als sie fertig ist, betrachte ich mich zufrieden im Spiegel. Kein trauriger, alter Furz mehr. Nein, nein.🤗
„Jetzt sehe ich doch schon fast aus wie eine Autorin.“
„Du bist eine Autorin“, sagt meine liebe Freundin. „Ich weiß, dass du das schaffst.“
Danke, liebe Manu. Für alles.❤

Kleider machen Leute

RÜCKBLICK 38 aus dem #TagebucheinerTräumerin  25. September 2018:

 

„Du bügelst?“ Mein Mann kann nicht glauben, was er sieht. Und ich glaube auch nicht, was ich tue. Aber tatsächlich. Ich bügele. Am Sonntag ist es soweit. Ich fahre nach Erfurt zur Akademie für Kindermedien. „Der erste Eindruck zählt“, antworte ich und bügele fleißig weiter Falten in meine blaue Lieblings-Bluse.😍 „Mit der siehst du aus wie deine eigene Oma“, findet Mick.  GrrrH.😞 Er hat überhaupt keine Ahnung von Mode. Ja, das kleine Blümchenmuster und die Rüschen sind schon ein bisschen 1905, aber ich stehe drauf. „Die Klamotten sollen auch etwas darüber erzählen, wer ich bin.“ „Aha.“ Mick verschwindet kurz im Flur und bringt meinen alten, roten Mantel mit. „Den solltest du anziehen. Darin siehst du taff aus.“ „Ich bin aber gar nicht taff.“😕 „Kleider machen Leute“, antwortet er. „Ja, aber dem Mantel fehlt ein Knopf. Direkt vorne. Das sieht ja so aus, als ob  ich völlig mittellos wäre. “ „Naja, das würde ja zumindest etwas darüber erzählen, wer du bist.“ Mick grinst .

Ich betrachte meine Bluse, dann den Mantel: Und stelle mit vor, wie ich in Erfurt ankomme und alle denken: „Wer ist denn die  obdachlose Oma?“ Ich fühle mich wie 14 vor meinem ersten Diskobesuch. Okay. Es gibt keine andere Möglichkeit.

Soweit mein neuer Plan:😉

1.Micks Kreditkarte schnorren
2.Friseur
3.Schoppen gehen

 

Das Würfelspiel meines Lebens TEIL 2

RÜCKBLICK 37 aus dem #TagebucheinerTräumerin  21. September 2018:

Noch viele andere tolle Sätze, die ich niemals über mich gesagt hätte, kommen an diesem Abend über meine Lippen. Nicole sagt sie vor, ich wiederhole sie mit geschlossenen Augen. Sie alle berühren mich tief. Ich muss zulassen, nett zu mir selbst zu sein. Es ist eine riesige Herausforderung.
Dann würfele ich mich auf das Feld „Verlust“. Jetzt geht es um eine alte Wunde, die endlich heilen darf. Als ich den Satz mit geschlossenen Augen laut sage, sehe ich plötzlich mich selbst vor mir als Kind. Die kleine Fanni lächelt und winkt meinem jetzigen Ich zu.😘 Ich bin völlig irritiert, denn ich hatte sie ganz vergessen. In meiner Erinnerung lebte immer nur ist die verletzte Fanni, nachdem sie bei ihrer ersten Lesung ausgelacht worden war und die enttäuschte Fanni, die den Worten der Erwachsenen glaubt, dass Autorin doch kein Beruf ist.

Nein. Es ist die Fanni davor! Ein kleines Mädchen, das davon träumt, Geschichten zu schreiben. Noch hat ihr niemand Zweifel ins Herz gesät, noch hat ihr niemand den Glauben an sich selbst genommen. Sie ist fest überzeugt davon, dass sie eines Tages eine Autorin sein wird.😊 „Nimm sie in den Arm“, sagt Nicole, als ich die Augen öffne und den anderen davon erzähle.

Ich zögere erst, doch dann schließe ich die Augen noch mal. Sie ist noch da. Ich winke sie zu mir und tatsächlich. Sie kommt in meine Arme. Wir halten uns aneinander fest, ganz lange. Es ist so schön, sie wieder bei mir zu haben. Nach so vielen Jahren.😭 Als ich die Augen öffne, sehe ich, dass alle mit mir mitweinen. „Du musst sie mitnehmen nach Erfurt“, sagt meine Freundin Karlotta. „Das schuldest du ihr.“ Kurze Zeit später stehen wir alle zusammen auf dem Balkon. Frische Nachtluft tut uns allen gut nach so viel Emotionen. „Das wird dein Jahr“, sagt Nicole. „Du bis jetzt genau da, wo du sein sollst.“ In dem Moment sehe ich sie. Sie räumt die allerletzten Zweifel aus. Eine Sternschnuppe am Himmel über uns wünscht mir Glück.🌠 Erfurt, ich komme.
P.S. So war es wirklich. Manchmal erschafft auch das echte Leben magische Momente.

 

Das Würfelspiel meines Lebens TEIL1

RÜCKBLICK 36 aus dem #TagebucheinerTräumerin  21. September 2018:

Ich sterbe vor Aufregung. 😣Das Auswahlverfahren in Erfurt startet in neun Tagen. Ich brauche jetzt alle Unterstützung, die ich kriegen kann und habe deshalb den Hexenzirkel zusammengerufen. Um mich innerlich zu stärken, spielen wir das Würfelspiel meines Lebens. Dafür haben wir extra die Oberhexe Nicole engagiert. Sie ist lizensierter Coach für diese Wunderwaffe gegen alle Gedanken, die uns daran hindern, unsere Ziele zu erreichen und etwas in unserem Leben zu verändern. Der Trick: Das Spiel hilft dabei, negative Überzeugungen über uns selbst in positive Glaubenssätze umzuprogrammieren. Jeder hat seine wunden Punkte, denkt, dass er nicht schön genug oder nicht liebenswert ist. Ich habe Angst, mich zu zeigen und nicht gut genug zu sein. 😔Dass dahinter wohl ein Mangel an Selbstliebe steckt, merke ich, als ich folgenden Satz sagen soll und er mir nicht über die Lippen kommen will: „Ich bin das Beste, was mir je passiert ist und ich liebe mich.“ (Probiert es mal auch, ist schwerer als man denkt). Der Klos in meinem Hals ist so dick, dass ich die Tränen nicht zurückhalten kann. Ich kann nicht aussprechen, dass ich mich liebe.😓 Zum Glück trösten mich die Hexen. Sie halten mich fest, bis ich mich wieder gefangen habe. Dann geht es weiter. Wir spielen stundenlang, bis in die Nacht.🌒 Der Würfel ist unerbittlich. Er bringt mich noch unzählige Male auf dieses Feld. Es ist wie Gehirnwäsche – in einem guten Sinn. Ich muss es so oft sagen, bis sich nach und nach in mein Unterbewusstsein einschleicht.

Ich liebe mich! Meine Fresse. Das kann doch nicht so schwer sein. „Wenn ihr Veränderungen wollt, dann dürft ihr euch nicht aufhalten lassen“, sagt Nicole uns immer wieder.
Also heißt die Parole: „Ich will. Ich kann. Ich tue es. Von ganzem Herzen.“ ❤ … wird fortgesetzt.
Teil 2 kommt gleich!

 

 

Die erste Hürde

RÜCKBLICK 35 aus dem #TagebucheinerTräumerin  06. September 2018: „Sehr geehrte Frau Federfels,
unser Auswahlgremium hat getagt und das Ergebnis liegt nun vor. Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass Sie mit dem o.g. Projekt für die Teilnahme am Einführungs- und Auswahlworkshop vom 30.09. - 04.10.2018 ausgewählt worden sind. Herzlichen Glückwunsch!“ Ich flippe aus vor Glück.🎉
„Alles klar, Mama?“, fragt mein Sohn, der mich beim hemmungslosen Heulen erwischt. Aber es sind Tränen der Erleichterung.🤗
Im Grunde hat mir zum ersten Mal eine neutrale Kommission bestätigt, dass ich mich nicht vollkommen irre. Bei Freunden und Familie kann man nie 100 Prozent sicher sein, ob sie nicht ein bisschen flunkern, um dich nicht zu verletzen. Und meine Lektorin? Sicherlich war ihre Meinung immer ehrlich. Das weiß ich. Aber böse Zungen könnten behaupten, dass ich sie ja schließlich auch dafür bezahlt habe.

Ich bin dabei. Ich fahre nach Erfurt.😁 Natürlich muss ich noch durch das Auswahlverfahren. Aber jetzt freue ich mich erst mal, dass ich die erste Hürde geschafft habe.
Yippieh.😄

Auf den letzten Drücker

RÜCKBLICK 34 aus dem #TagebucheinerTräumerin  22. August 2018:
Ich hab es getan. Zwei Tage vor der Deadline. Meine Bewerbungsunterlagen sind gerade noch rechtzeitig in Erfurt angekommen, auf den letzten Drücker. Habe gerade die Bestätigung per Mail gekommen. Jetzt heißt es Daumen drücken. In zwei Wochen werde ich wissen, ob ich in die Auswahlwoche eingeladen werde. Das ist die erste Hürde. 20 Träumer, ausgesucht aus allen Bewerbungen, werden dann für ein paar Tage nach Erfurt eingeladen. Dort dürfen sie ihr Projekt persönlich vorstellen. Allein der Gedanke verursacht mir Herzrasen. Ich hasse es, vor fremden Menschen zu sprechen.😝 Aber was solls. Wenn es klappt, muss ich da durch. Die Sozial-Phobikerin in mir sagt: Lieber sterb ich! Aber die Träumerin will es. Unbedingt!😍

 

Ich mache es einfach, fertig!

RÜCKBLICK 33 aus dem #TagebucheinerTräumerin /  Juli 2018:
Ich bin voller Tatendrang. Nicht nur, weil ich gerade Urlaub an der Nordsee mache, sondern weil die Entscheidung steht. Ich werde mich bei der Akademie für Kindermedien bewerben.
Tatsächlich spukt mir schon länger eine andere Jugendbuchidee ab 12 Jahre im Kopf rum. Zwischen Strandspaziergängen und gutem Essen versuche ich die Bewerbungsunterlagen zusammenzubringen.
Sie wollen es schon ganz genau wissen. Ich fange mal mit dem an, was ich auf jeden Fall hinbekomme: mein Lebenslauf. Es gibt nichts, wofür ich mich schämen müsste. 😉Außerdem wollen sie wissen, warum ich mich bewerbe. Das ist einfach. Weil ein Glückskeks es so entschieden hat. Natürlich verpacke ich es seriöser!😊
Unvermeidlich: Sie sind am Inhalt meines Kinderbuches interessiert. Nun gut. Die größte Herausforderung wird die Logline. Da soll ich den Inhalt in einem Satz sagen. Das verschiebe ich schon mal ganz an den Schluss. Eine Kurzzusammenfassung ist gewünscht, dann eine Projektbeschreibung mit Idee, Personen und Inhaltsangabe. Und natürlich eine Textprobe (15 bis 20 Seiten). Auweia, habe gerade mal den Kalender gecheckt. Es sind nur noch sechs Wochen bis zum Abgabetermin!😮
Zudem machen mir die letzten beiden Punkte noch Sorgen: Angaben zu Genre, Zielgruppe und Markteinschätzung des Projektes. Ja, bin ich denn Verleger? Von sowas hab ich gar keine Ahnung. Da werd ich improvisieren müssen. 😎Noch problematischer: Ich soll das Potenzial des Projektes auf anderen Plattformen beschreiben. Hallo, ich will ein Buch schrieben. Nur ein Buch! Okay. Sie wollen es, sie kriegen es.
Ich lege mein Notizbuch zur Seite und mache mich auf den Weg an den Strand. Jetzt brauche ich allen Wind, den die Insel zu bieten hat, um mein Gehirn durchzupusten. Sechs Wochen. Für den Perfektionisten in mir klingt es unmöglich. 😣Doch die Träumerin will es. Unbedingt!😊🤗

Der Glückskeks

RÜCKBLICK 32 aus dem #TagebucheinerTräumerin /Mitte Juni 2018: Verleugnung, Wut, Depression, Akzeptanz und Loslassen – das sind die fünf Phasen der Trauer. Ich bin eindeutig in Phase 3: Depression😔. Nur mit Mühe konnte Mick mich überreden, mit zum Asiaten zu kommen. Dort treffen wir Freunde von ihm aus Hamburg. Sie arbeiten in der Kinderfilmbranche, auch ein Geschäft mit vielen Kreativen und wenig Chancen. Also nutze ich die Gelegenheit zum Jammern😣 und erzähle von meinem gescheiterten Traum. „Kennst du die Akademie für Kindermedien?“, fragt mich Tom. „Die suchen jedes Jahr Ideen für Kindermedien. Nicht nur Film-, sondern auch Buchprojekte.“ Es dauert keine drei Sekunden und schon habe ich die Homepage auf Toms Handydisplay vor der Nase. Was ich lese, klingt interessant. Allerdings ist mir sehr schnell klar, dass die kein fertiges Manuskript suchen, sondern Ideen, die dann erst über mehrere Monate weiterentwickelt werden. Ich müsste also etwas ganz Neues einreichen. „Aber Abgabetermin für die Bewerbung ist schon Ende August“, gebe ich zu bedenken. „Na und?“, findet Nina. „Ich an deiner Stelle würde es probieren. Wenn du nicht fertig wirst, hast du ja zumindest Teile einer neuen Projektidee auf dem Papier.“ Der Gedanke, mich zu bewerben, arbeitet in mir. 🤔Es wäre eine Chance, endlich mehr über diesen geheimen Buchmarkt zu erfahren, endlich mal zu verstehen, wie das alles hinter den Kulissen funktioniert. Ich könnte andere Verrückte treffen, die meine Leidenschaft fürs Schreiben teilen, und von Profis mehr über das Handwerk lernen.
Als die Glückkekse kommen, bin ich gespannt, was meiner mir zu sagen hat: „Es wird große Veränderungen für Sie geben, aber Sie werden glücklich sein.“

Was ist bloß mit Fräulein Ginstert los?

RÜCKBLICK 31 aus dem #TagebucheinerTräumerin /Ende Mai 2018: Tiefpunkt. 😔

Ich bin mental völlig erschöpft und frage mich, ob ich vielleicht einfach aufgeben soll, anstatt immer wieder bei jedem kleinsten Piepsen und Brummen und Surren meines Handys loszustürzen, um dann enttäuscht festzustellen, dass Amazon Wäscheklammern im Angebot hat, die ich vor fünf Monaten mal gegoogelt habe. Ungefähr so lange ist es auch her, dass ich mein Manuskript losgeschickt habe. Und bisher gibt es noch immer kein Lebenszeichen meiner zukünftigen Lektorin. Dabei warte ich jeden Tag darauf, dass das Telefon klingelt und endlich ihre Stimme sagt: „Spreche ich mit Frau Federfels? Fanni Federfels? Sie haben uns doch ihr Manuskript geschickt. Wir sind interessiert.“
Mein Handy surrt.
Moment.
Unwetterwarnung. Schwere Gewitter im Anmarsch.⛈
Tiefpunkt! Nichts tun zu können, bringt mich um den Verstand. 😟Ich verstehe auch ehrlich gesagt überhaupt nicht, wieso das so lange dauert, ein Manuskript zu prüfen. Was ist da nur schiefgelaufen? Ich mache mir Sorgen um das Fräulein Ginstert. Wahrscheinlich hat mein Manuskript sie nie erreicht.
Oje, ich sehe sie vor mir. Die junge Frau mit dem Hang zur Depression sitzt alleine am Tisch eines Edelitalieners. Sie hat ein Date mit dem Kreativ-Direktor der verlagseigenen Werbeagentur. Dieser unverschämt gutaussehende, frisch geschiedene Mittvierziger, der eigentlich Harald Bohnenberger heißt, den aber alle nur ganz royal Harry mit ä nennen:  also Härry. Erst wirkt sie verlegen, dann verstört. Immer wieder vertröstet sie den Kellner. Dann bricht sie auf. Härry ist nicht gekommen. Ein Wintersturm tobt.🌬 Schneeverwehungen. Eine Brücke. Ein eiskalter Fluss. ❄Nur ein paar Meter bis zur Erlösung. Nein. Tun Sie das nicht. Fräulein Ginstert. 😲Neeeeeiiimnnn … Er ist es nicht wert…😭☠
Völliger Unsinn.
Mal angenommen, sie wäre gesprungen. Dann wäre mein Paket ja bei einem Kollegen gelandet. Rechnen wir mal die Beerdigung mit ein, dann hätte doch spätestens vier Wochen danach mein Handy geklingelt: „Spreche ich mit Frau Federfels? Fanni Federfels?“
Hat es aber nicht!☹

Ein Paket geht auf Reisen

RÜCKBLICK 30 aus dem #TagebucheinerTräumerin: Es ist ein grauer Dienstag im Januar 2018, als ich das Paket mit meinem Manuskript stolz wie Oskar zur Post trage. „Gehen Sie vorsichtig damit um, da ist ein kleines Mädchen drin“, würde ich am liebsten zur Postbeamtin sagen, doch ich übergebe ihr nur schwachsinnig grinsend 😊mein Paket.
Die nächsten beiden Tage verbringe ich als Stalker. Ich verfolge per Trackingnummer jeden logistischen Schritt:
Paket hat die Poststation verlassen –
Paket auf dem Weg zu Postlager x –
Paket übernachtet in Poststation y –
dann endlich: Paket hat das Ziel „Wunschverlag Nummer 1“ erreicht.
An einem Freitag!
Jetzt muss ich nur noch das Wochenende überstehen, denke ich und male mir meine Zukunft aus:🤔
Ich stelle mir vor, wie am Montag endlich meine Geschichte auf dem Schreibtisch einer gut gelaunten, jungen und engagierten Lektorin landet. Nennen wir sie Fräulein Ginster. Fräulein Ginster hat ihre roten Haare immer zu einem kunstvollen Dutt gedreht und trägt eine hippe, schwarze Hornbrille🤓, die den Blick ihres Gegenübers von ihren großen Brüsten ab- und auf ihren Intellekt hinlenken soll.  An diesem besagten, historischen Montag im Januar öffnet Fräulein Ginster mein Paket, gleich nachdem sie den ersten Schluck Kaffee aus ihrer Snoopy-Tasse genommen hat. Es ist ein neues Manuskript, das ist offensichtlich. Täglich landen stapelweise in Pappe verpackte Träume auf ihrem Schreibtisch. Doch als sie den Deckel des Paketes anhebt, spürt sie sofort den Zauber. Ohne auch nur ein Wort gelesen zu haben, weiß sie, dass sie einen Schatz gefunden hat. Etwas Besonderes. Das eine Buch unter 1000. Sie liest es. Nein, sie verschlingt es. Und: sie ist begeistert.😍 Genau das, was dem Verlag noch fehlt. Sie nimmt es mit in die große Konferenz und stellt es mit einer flammenden Rede den Entscheidern vor. Bingo! Alle sind völlig aus dem Häuschen. Die Sache ist geritzt. Eine Woche, nachdem ich das Manuskript eingereicht habe, klingelt mein Handy…„Spreche ich mit Frau Federfels? Fanni Federfels?“
So hätte ich das gern.

P.s. Aber es kam anders …😕

Meine erste Lesung seit 1982

 RÜCKBLICK 29 aus dem #TagebucheinerTräumerin: Ich stehe vor der Haustür und warte auf Karlotta. Gleich holt sie mich ab. Es ist 7 Uhr und wir fahren in die Schule, in der sie unterrichtet. Heute ist bundesweiter Vorlesetag und sie hat mich als Vorleserin engagiert. So kann ich meine Geschichte testen und herausfinden, ob die Kinder sie mögen.🤗 Es gibt nur ein Problem: Ich bin mega aufgeregt, weshalb ich auch nicht selbst Autofahren kann. Hab ich schon mal erwähnt, dass ich unter einer Sozialphobie leide?😨 Ich will grundsätzlich nicht gesehen werden. Ich alleine auf der Bühne, Spot an und viele Menschen, die mich anblicken – das geht gar nicht. Mein Adrenalinspiegel steigt dann ins Unermessliche, mein Herz rast, nasse Hände, Panik.😵 Ich kann nichts dagegen tun. Mein Gehirn signalisiert Lebensgefahr. Daher meide ich „Auftritte“. Da das als Autorin jedoch schwierig wird, hat Karlotta mir ihre Klasse zum Üben angeboten. „Es sind nur ein paar Kinder da und ich, deine Freundin. Ein ganz geschützter Rahmen. Alles wird gut.“
Bereits als ich in ihr Auto steige, merke ich, dass etwas nicht stimmt.  Auf der Autobahn endlich rückt sie mit der Sprache raus: „Eigentlich wollte ich dich ja schon gestern Abend noch anrufen. Aber dann dachte ich, es reicht ja, wenn ich nicht schlafe.“
HÄ?🤔
„Was ist denn passiert?“
„Meine Rektorin hat gestern noch gemailt und mir eine Sache mitgeteilt, die die Umstände der Lesung ein wenig verändert.“
HÄ?  Was redet sie da nur?
„Okay: ich sag es ganz schnell, dann ist es raus: Das Fernsehen kommt. Für ein paar Aufnahmen in meiner Klasse.“
AAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHH😣
140 Stundenkilometer mitten auf der Autobahn. Die Tür ist verriegelt. Es gibt kein Entkommen.

P.S. Ich bin den Heldentod gestorben. Aber ich hab‘s irgendwie durchgezogen. Die Kinder hatten riesigen Spaß, und meine erste Lesung wurde zu einem wirklich unvergesslichen Erlebnis. Danke, Karlotta.
Fotos: Alexa Kirsch/ Illustrationen im Hintergrund: @itsasock.illustration

Mr. Socke zeichnet

RÜCKBLICK 28 aus dem #TagebucheinerTräumerin: Mit dem Stift im Mund zeichnet Mr. Socke so schnell wie ein Mensch mit der Hand. Das ist irre beeindruckend. Auf dem Papier entsteht gerade ein Huhn. „Toll. Du hast ganz schön viel Vorstellungsvermögen für eine Socke.“ Er spuckt den Stift auf den Schreibtisch: „Wenn man so viel Zeit in der Dunkelheit eines Schuhs verbracht hat wie ich, ist man automatisch viel in Gedanken unterwegs. Aber ehrlich: Ich liebe es, Geschichten zum Leben zu erwecken.“ „Worum geht es in deinen Geschichten?“, will ich wissen🤔. „Um das Leben“, antwortet die Socke versonnen. „Das ist das Spannendste. Denn das Leben ist, was passiert, wenn man nicht in einem Schuh steckt.“ Er ist Künstler und Philosoph, so viel steht fest.😉 Ich frage mich, ob noch andere Talente in ihm schlummern. „Was ist mit Musik? Spielst du ein Instrument?“ Mr. Socke schüttelt den Kopf. „Ich habe über Trommeln nachgedacht, aber ich fürchte, ich könnte mir den Kopf verletzen.“ Traurig blickt er auf seinen glatten Schultern. „Wenn ich Superkräfte hätte, dann würde ich mir Arme wachsen lassen. Nicht nur zum Trommeln, sondern auch, damit ich Stan nicht immer bitten muss, mir ein Stück Käse zu schneiden. Lust auf einen Käsekeks?“ Mit dem Kopf deutet er auf eine Schale mit Keksen. „Statt Zucker ist da Parmesan drin. Wenn ich eine Million im Lotto gewinnen würden, würde ich in Parmesankäse-Räder investieren.“ Ich probiere, aber mein Geschmack ist es nicht gerade.😝 Trotzdem esse ich tapfer auf. 
Dann sitzen wir auf dem Boden, hören Michel Petrucciani und reden über Star Trek. Bevor ich gehe, lege ich ihm mein Manuskript unters Bett. Da schläft er immer noch manchmal gern. Und ich hoffe, dass ihm meine Geschichte gefällt. „In jeder Geschichte, die ich illustriere, steckt ein bisschen Socke“, hat er mal gesagt. Hoffentlich auch bald in meiner. 🤗
P.S. Ihr findet Mr. Socke hier bei Instagram unter @itsasock.illustration und seine Homepage unter www.itsasock.com

Als ich Mr. Socke traf



RÜCKBLICK 27 aus dem #TagebucheinerTräumerin: „Ich hab gehört, dass du davon träumst, ein Kinderbuch zu schreiben. Zufällig habe ich einen Mitbewohner, der davon träumt, ein Kinderbuch zu illustrieren.“ Diese schicksalhaften Worte sprach Stan, der Vater eines meiner Tageskinder, an einem verregneten Montagmorgen. Wenige Tage später saß ich bereits am Küchentisch in Stans Wohnung und führte bei Tee, Käse und Jazzmusik die wohl ungewöhnlichste Unterhaltung meines Lebens. Was Stan vergessen hatte zu sagen: sein Mitbewohner ist eine Socke.

 

ICH: Seit wann wohnt ihr zusammen?

STAN: Irgendwann ist er unter meinem Bett hervorgekrochen und fing an zu quatschen. Davon, dass er der erfolgreichste Sockenillustrator der Welt werden will. Es war ihm nicht auszureden. Seitdem sind wir Freunde und kreative Partner bei einigen Projekten.
MR. SOCKE:  Vorher war es nur ein Sockenjob. Ich beschäftigte mich hauptsächlich mit Stans Füßen und Schuhen. Bis (Er holt tief Luft) ich eines Tages meinen Seelenverwandten verloren habe. Wir gehörten zusammen und dann war ich plötzlich allein.
ICH: Oh, das ist traurig. Waschmaschine?
MR. SOCKE: Hmm. Ich hing wochenlang im Waschraum und wartete, aber er ist nie wieder aufgetaucht. Dann hab mich unter Stans Bett verkrochen. Sechs lange Monate. Zum Glück gab es einen Stapel belgischer Comics und The Myth Of Sisyphus von Albert Camus. Ich las sie alle mehrmals und erkannte, dass ich meinen eigenen Sinn für mein Leben finden musste. Ich beschloss, der erfolgreichste Sockenillustrator der Welt zu werden.
ICH: Das mit der Waschmaschine ist ein Mysterium. Mir gehen auch ständig Socken verloren.
MR. SOCKE: Es ist die traurige Wahrheit des Lebens einer Socke. Eine von mir selbst erstellte Untersuchung ergab, dass eine Socke innerhalb von 6 Monaten nach dem Kauf mit einer Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent verschwindet.
ICH: Und aus welchem Grund?
MR. SOCKE: Langeweile, Kummer, stinkende Füße. Auch ein Stück Käse?

Wir saßen noch lange zusammen und redeten, er über seine Zeichnungen und ich über mein Buch. Am Ende war klar: Ich bin zwar keine Socke, aber ich hatte einen Seelenverwandten gefunden.

Die kleine Fanni

RÜCKBLICK 26 aus dem #TagebucheinerTräumerin: 1982 - ich war ein schüchternes Kind, sensibel und sehr ängstlich. Ich fürchtete mich vor Monstern unterm Bett, aber auch davor, meine Tante anzurufen, um ihr auszurichten, dass meine Mutter spät dran ist. Ich sprach kein Wort mit der Frau im Tante-Emma-Laden und hielt ihr immer nur den schweigend den Einkaufszettel entgegen. Ich grüßte den Pfarrer nicht und auch sonst keine Erwachsenen und wäre lieber verhungert, als mir selbst eine Bratwurst auf dem Dorffest zu kaufen.
Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie viel Mut es mich an diesem Tag 1982 kostete, als ich beschloss, meine erste Geschichte vor Publikum vorzulesen. Der Titel lautete "Die fliegende Oma" und ich hatte sie extra auf einer alten Triumph-Schreibmaschine getippt. Ich war acht Jahre alt und fest entschlossen, Schriftstellerin zu werden. Als Rahmen für meine erste Lesung schien mir ein Kaffeekränzchen passend. Meine Mutter hatte alte Tanten eingeladen und ich wartete mit Herzrasen auf meinen Auftritt. Ich sehe sie noch heute um den gedeckten Tisch sitzen. Sie reden über Dinge, die ich verstehe oder die mich nicht interessieren. Meine Mutter kündigt mich an. Ich setze mich, spüre die unerträglichen Blicke auf mir. Es ist kaum auszuhalten im Rampenlicht. Ich möchte unsichtbar sein, aber ich wage es und lese. Ob es ihnen gefallen wird? Erst lauschen sie, dann - ich weiß nicht, was ich falsch gemacht habe, brechen sie in lautes Gelächter aus, sie kriegen sich fast nicht mehr ein vor Lachen. Meine Geschichte ist aber nicht lustig. Dann gibt es nur eine logische Erklärung. Sie lachen mich aus. Ich fühle mich nackt und gedemütigt und unendlich traurig.

Es war meine erste und letzte Lesung - für viele, viele Jahre. 

P.S. Natürlich weiß ich heute, dass Tanten es nicht böse meinen, sie mich auch nicht ausgelacht haben, sondern das kleine Mädchen wahrscheinlich unglaublich putzig fanden. Aber als Kind habe ich das nicht verstanden. Sie haben mich in meinem Glauben an mich selbst erschüttert, Selbstzweifel gesät. 
Daher mein Appell an alle Erwachsenen: Nehmt Kinder ernst und zollt ihren Träumen Respekt!

 

First fake it, then make it

RÜCKBLICK 25 aus dem #TagebucheinerTräumerin:

Also halten wir mal fest:
Mein Buch ist noch nicht fertig.
Noch kein Verlag in Sicht.
Es steht in den Sternen, ob und wann mein Erstlingswerk verlegt wird.

Aber ich hatte schon mal einen Termin für ein Fotoshooting. 😊Die Bilder sollen später auf meine Autoren-Homepage, die noch nicht existiert!😎
Mein Mann hält mich sowieso für komplett verrückt. Ich gebe nämlich Geld aus, das ich eigentlich nicht habe (Einkommen einer Tagesmutter!!!) für etwas, das noch gar nicht existiert. Andere Menschen steckt man für sowas in die Anstalt.🤣
Eine gute, alte Bekannte und tolle Fotografin namens Alexa Kirsch hat die Fotos von mir gemacht. Während des Shootings musste ich mir immer wieder im Kopf sagen: „Ich bin Autorin. Auch, wenn das hier alles völlig gaga ist.“
Aber Alexa verjagte meine Zweifel. Sie ist der Ansicht: „First fake it, then make it.“ Na dann, los geht’s…

P.S. Inzwischen gibt es tatsächlich auch eine Homepage: www.federfels.de

Die Facebook-Katze

RÜCKBLICK 24 aus dem #TagebucheinerTräumerin: Das beste Buch ist einen Scheiß wert, wenn niemand weiß, dass es existiert.  Das habe ich Millionen Mal in irgendwelchen Autorenforen gelesen und will es einfach mal glauben. Also brauche auch ich einen schicken Social-Media-Auftritt als Autorin.
Deshalb komme ich gerade von einem Seminar. Ich dachte, es wäre schlau, mir erklären zu lassen, wie das denn alles so funktioniert mit der Vermarktung über soziale Medien.😁
Die Dozentin war so eine mega-gestylte, hippe Endzwanzigerin 😎mit dem totalen Überblick. Ich habe leider auch jetzt immer noch keinerlei Überblick. Aber eins habe ich kapiert, eine  Sache, die mich ein bisschen nervös macht: Um neue „Fans“ für eine Seite zu gewinnen,  muss man posten! 🤔Und zwar regelmäßig!😕 Und dann nicht den Computer ausschalten und erst drei Wochen später noch mal nachgucken, ob jemand einen Kommentar dazu abgegeben hat. So funktioniert das nicht.

Aber es kommt noch schlimmer.☹ Frl. Facebook sagt, auch die Inhalte der Posts sollten gut geplant sein.  Besonders erfolgreich seien Katzenfotos😻. Oder ein lustiges Video🤡. Auweia. Da ist jetzt Kreativität gefragt. Und natürlich, sagt Frl. Facebook, müsse man auch immer mental auf bösartige Kommentare und einen Shitstorm vorbereitet sein.
Es ist doch viel härter, eine Autorin zu werden, als ich gedacht habe. Aber was soll es. Ich packe das jetzt einfach an und mache mir einen Plan:
1. Meinem Mann davon überzeugen, dass wir eine Katze brauchen.😽
2. Wenn er Nein sagt, eine Torte🍰 backen und meinen Sohn bitten, sie ihm ins Gesicht zu werfen, während ich das Ganze als Live-Video poste.
3. Vorsichtshalber schon mal einen Termin mit meiner Psychologin vereinbaren.

P.s. Wie ihr seht, habe ich mich für Instagram entschieden. 🤣 Mal sehen, ob hier auch eine Strichmännchen-Katze geht.

Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll

RÜCKBLICK 23 aus dem #TagebucheinerTräumerinIch sitze mit Annie und Georg im Café. Es ist ein denkwürdiger Tag, denn nach langen Recherchen und Zwiegesprächen mit mir selbst habe ich mich für ein Pseudonym entschieden. TROMMELWIRBEL: „FANNI FEDERFELS.“ Gespannt warte ich auf Reaktionen: Applaus, Euphorie, Ekstase!

„Fanni Federfels?“ Annie rümpft die Nase: „Das klingt ja wie Bibi Blocksberg.“ Ein Schlag in die Magengrube.😡 „Irgendwie erfunden eben.“

Ich versuche zu lächeln: „So hieß die Uroma von Mick. Fanni! Und die ist kein bisschen erfunden. Sie gab es nämlich wirklich!“

„Und Federfels?“

„Ist ein Hügel in meinem Heimatdorf“, antworte ich und kann einen säuerlichen Unterton😤 jetzt nicht mehr unterdrücken. „Den gibt es ebenfalls in der Realität. Und ich finde Federfels total poetisch.“

Georg nimmt einen Schluck Milchcafé. Bisher hat er geschwiegen. Was sehr verdächtig ist. „Naja, zumindest international wird es mit dem Namen schwierig“, sagt er und ich sehe an seinen wippenden Grübchen, dass er sich innerlich gerade kaputtlacht.🤣

„Wie meinst du das denn?“

„In England hat Fanny eine ganz besondere Bedeutung. Ich kann es nicht laut sagen. Aber vielleicht könnt ihr es ja raten. Also, es ist Gossensprache, meint ein weibliches, intimes Körperteil und beginnt mit F! 5 Buchstaben.“ 

 

😨😭😢

 

P.S. Trotz des Schocks, den ich erst überwinden musste, habe ich den Namen zumindest mal für diesen Blog behalten. Denn ich finde ihn immer noch total schön…

Ich brauche ein Pseudonym

RÜCKBLICK 22 aus dem #TagebucheinerTräumerin:

Bevor ich mich an meinen Masterplan setze, brauche ich noch eines ganz dringend: ein Pseudonym😎. Denn mein Klarname klingt  überhaupt nicht nach Literatur, geschweige denn nach Poesie. Ganz im Gegenteil: Er klingt nach Diplomarbeit. 😣 Ein harter kurzer Name, der als Wissenschaftlerin, ja als Journalistin, vielleicht auch noch als Tagesmutter überzeugt, aber auf keinen Fall als Autorin eines Kinderbuches. Schließlich zählt ja auch der erste Eindruck auf einem Cover. Der Leser muss sofort das Gefühl haben: Eine Person mit einem solch zauberhaften Namen schreibt auch zauberhafte Geschichten. 😍

Deshalb hab ich mich mal auf die Suche gemacht nach anderen Autoren und ihren Pseudonymen:  Zum Beispiel Dora Heldt. Sie schreibt sehr erfolgreich Frauenromane. O weh. In Wahrheit heißt sie Bärbel Schmidt. 0815-Alarm! Ich weiß nicht, ob jemand „Drei Frauen am See“ von Bärbel Schmidt gekauft hätte. Ja, da macht ein Pseudonym absolut Sinn. 
Allerdings auch, wenn der eigene Name einfach unaussprechlich ist wie Fingal O'Flahertie Wills. Das ist ja, als hätte man Fusseln im Mund. Oscar Wilde schmeckt dagegen wie prickelnder Champagner. Absolut richtige Entscheidung. 
Vollstes Verständnis habe ich auch für Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen. Ich sehe schon die Buchstaben links und rechts vom Cover purzeln, 😂daher besser kurz und knapp: Hans Fallada. 
Manchmal wird es aber auch nicht besser: Wie Stephen King auf die Idee kommen konnte, sich Richard Bachmann zu nennen, ist mir schleierhaft. 🤔Da schlafen einem ja die Füße ein. 
Und reden wir erst gar nicht über Joanne K. Rowling als Robert… 😝Ach du liebe Güte!
Meine Recherche bestärkt mich in meinem Vorhaben. Es ist nämlich gar nicht so peinlich, ein Pseudonym zu haben, wie ich dachte. Wenn sogar der gute alte Gutenberg (Johannes Gensfleisch) als Buchdrucker mit einem erfundenen Namen in die Geschichte eingehen konnte, kann ich das auch!

Fortsetzung folgt ….

Ein Buch allein macht keinen Autor

RÜCKBLICK 21 aus dem #TagebucheinerTräumerin:

 

Ich bin zurück aus Thüringen und habe einen Masterplan in der Tasche. Abgesehen davon, dass ich wirklich ein gutes Stück in meinem Manuskript vorangekommen bin, habe ich eine riesige To-Do-Liste erstellt.
Denn eine wichtige Erkenntnis ist:  ein Buch allein macht keinen Autor. 😎

  • Ohne ein Exposé für den Verlag,
  • ohne eine Homepage als Visitenkarte im Netz,
  • ohne ein Konzept für eine Lesung,
  • ohne eine Vermarktungsstrategie in den sozialen Medien und ohne Zeit zum Schreiben 

... geht nix! 🙃
Na dann. Werde ich mal Füßchen vor Füßchen losmarschieren!🏃‍♀️

Danke Astrid

RÜCKBLICK 20 aus dem #TagebucheinerTräumerin:

 

Mit meinem Manuskript, meiner Liebe zum Schreiben und der Angst im Gepäck, dass Frau Rösel am Ende der Woche sagen könnte: „Frau Federfels, ist ja alles schön und gut. Aber suchen Sie sich doch besser ein anderes Hobby“ war ich nach Thüringen gefahren. Zum ersten Mal gab ich mein „Werk“ in fremde Hände und machte mich damit sehr verletzlich.
Doch zum Glück traf ich dort eine sehr kompetente und respektvolle Lektorin vor, die vor allem eines tat: mir zuhören. Sie stellte sich nicht selbst dar. Sie wollte mir nichts verkaufen, was ich nicht brauchte. Sie versprach mir nicht das Blaue vom Himmel, denn ein weiter Weg lag vor mir. Aber sie zerstörte auch nicht mein Traumschloss. Und vor allem: Sie war bereit, ihr Können mit ganzem Herzen in mein Buchprojekt zu investieren.
Und so öffnete ich das Portal zu meiner Fantasie und sie folgte mir in meine Geschichte. Zum ersten Mal konnte ich über alle Details mit jemandem sprechen. Gemeinsam erlebten wir mit den Figuren fantastische Abenteuer, räumten aber auch in den Kapiteln auf, enttarnten Logikfehler und warfen bei Tee und Plätzchen unnötigen Ballast einfach über Bord.
Nicht mehr allein zu sein, war für mich eine wunderbare Erfahrung. Im Spiegel ihrer Augen konnte ich mich endlich selbst erkennen. Und so kam ich als schreibende Tagesmutter und ging als Autorin!

Wenn mein Leben eine Heldenreise wäre, dann wäre Astrid Rösel der Mentor, der den Helden dazu ermutigt, sich ins Abenteuer zu stürzen.


DANKE ASTRID.

P.S. Auch 2019 gibt es bei Astrid Rösel spannende Seminare. Mehr dazu unter www.schreibbogen.de. Sie coacht aber auch per Mail oder Telefon. Ich schicke ihr immer einfach meine neuen Kapitel. Das klappt ganz wunderbar!

Bates Motel

RÜCKBLICK 19 aus dem #TagebucheinerTräumerin:

DIE FAHRT: Nach gefühlt 100 Stunden Zugfahrt und 20 Mal umsteigen, erreichte ich endlich das Ziel meiner Schreibreise mitten im wunderschönen Thüringer Wald. Im Nachhinein weiß ich nicht WIESO, aber ich erwartete einen Taxistand vor dem Bahnhof.

Aber NEIN: Viele kleine Dörfer, noch mehr Bäume und nur ein Taxiunternehmen, das nun extra für mich 20 Kilometer weit anreisen musste! Es wurde teuer! 😣🤑
Reisewarnhinweis Nummer 1: Bestelle immer vorher ein Taxi!


DAS HOTEL: Ich hatte es mir so schön ausgemalt. Das beste Haus am Ort mit freundlichen Gastgebern. Ich sitze beim Abendbrot unter einer Horde gutgelaunter Wandervögel und genieße mein erstes Glas Wein! Ich verstand die Mail, die ich am Vortag vom Hotel bekommen hatte, erst richtig, als ich bei „Bates Motel“ ankam. „Liebe Frau Federfels, montags haben wir Ruhetag. Unsere Rezeption ist nicht besetzt. Ihren Schlüssel finden Sie im Schlüsselbriefkasten am Seiteneingang. Wenn Sie Hunger haben sollten, finden Sie einen Supermarkt um die Ecke.“

HÄÄÄ?🤔

Leider war das Taxi schon weg, als ich das Ausmaß der Misere realisierte: Ich war der einzige Gast in „Bates Motel“!

Leere Flure, dunkle Ecken, knirschende Dielen, Hirschaugen, die mich von Gemälden anstarrten, und unzählige Zimmertüren, hinter denen Normas Bates Mutter😱 wahrscheinlich gerade tot im Schaukelstuhl saß.
Die gute Nachricht: Es gab tatsächlich einen Supermarkt um die Ecke! Ich sperrte mich mit viel Rotwein, Wurst und Schokolade in mein Zimmer ein und hoffte, dass Norman mich nicht finden würde.
Reisewarnhinweis Nummer 2: Reise niemals montags an!


FREIZEIT-MÖGLICHKEITEN: Immer mittwochs in Frau Rösels Seminarplan gibt es einen freien Nachmittag!
Reisewarnhinweis Nummer 3: Wenn du die Wahl hast zwischen Wandern und Friseur - gehe wandern.😂

Inselträume – adé

RÜCKBLICK 18 aus dem #TagebucheinerTräumerin:

 

„Eine Schreibreise nach Island? Na klar. Warum nicht gleich Auenland?“
Mick zeigt mir einen Vogel!
„Hobbits statt Elfen. Fände ich auch gut“, antworte ich, noch schief lächelnd, aber ich sehe, dass Mick nicht zum Scherzen ist. Im Gegenteil. Er ist angesäuert!😤
„Hast du eine Vorstellung, wie teuer das ist? Flug und Unterkunft? Wir fahren noch nicht mal in den Urlaub dieses Jahr und du willst nach Island?!“

„Und Thüringen?“, frage ich zart, denn Frau Rösel lebt im schönen Thüringer Wald und bietet auch Seminare bei sich zuhause an.
Sein Gesicht ist immer noch ernst.
Ich versuche es mit dem Rehaugen-Trick!😍
Funktioniert nicht. Mist!

Dann die sachliche Argumentation. Dem können sich Männer doch meistens nicht entziehen.
„Ich brauche mal Ruhe zum Schreiben und jemanden, der meinen Text mit mir durcharbeitet!“ Ich sehe, wie er einknickt.
Jetzt noch der emotionale Knopf: „Es bedeutet mir viel.“

„Wie lange wärst du dann weg?“ Seine Stimme hat immer noch einen grummeligen Ton, aber die Gesichtszüge weichen auf.
„Ein paar Tage“, antworte ich vage. In Wahrheit ist es eine Woche, aber was solls.😎
„... wenn es dir so wichtig ist.“🤗

 

BINGO. Thüringen – ich komme….😁

Kleine Fluchten

 RÜCKBLICK 17 aus dem #TagebucheinerTräumerin

 

Ich habe nachgedacht: meinen Job aufgeben und nur noch Autorin sein, das geht nun mal nicht, aber ich könnte mir ja Freiräume schaffen: kleine Fluchten… Denn Zuhause habe ich einfach keine Ruhe. Habe gerade mal „Schreibreisen“ gegoogelt.😁

Hier meine Ergebnisse:

„Christliche Schreibreisen“, 🤔nee, lieber nicht.
„Biografisches Schreiben auf La Gomera“: Insel gut, Thema unpassend.

„Heilende Poesie?“ Auf keinen Fall.
„Schreibreise nach Island.“ Ich im Land der Elfen? Das wäre doch mal was.🤗
Ich lese auf der Homepage von www.schreibbogen.de : „Mit einer Schreibreise nehmen Sie sich Ihre Schreib-Zeit. Frei vom Alltag kommen Sie ins Schreiben, trainieren gezielt Ihre handwerklichen Mittel, tauschen sich mit anderen Schreibenden aus und verbringen gleichzeitig eine schöne Zeit, lernen Neues kennen, nehmen Impulse und frische Energie mit nach Hause.“

 

Genau das suche ich! Island – liebe Frau Rösel, ICH KOMME.😁

Die Macht der Visualisierung!

RÜCKBLICK 16 aus dem #TagebucheinerTräumerin:

 

„Du bist doch schon längst Autorin! Wenn du das endlich begreifst und annimmst, dann passiert alles andere von selbst.“ Nach dem Treffen des Hexenzirkels hallten Nicoles magische Worte lange nach. Das ganze Wochenende verbrachte ich damit, eine Autorin zu sein. Zumindest im Kopf!
Doch dann kam der Montag! Zurück in der Baby-WG versuchte ich es immer noch mit der Technik der Visualisierung! Vor meinem inneren Auge versuchte ich mir das Cover meines zukünftigen Buches vorzustellen. Doch dann entdeckte ich gelblichen Schleim an Leas Auge. Für eine Schrecksekunde war ich wieder voll und ganz Tagesmutter mit Angst vor einer hochansteckenden Augenentzündung, die den ganzen Laden lahmlegen würde🤤, doch dann schnappte ich mir schnell Anton und ein Bilderbuch.

Schnell bekam ich viele weitere Zuhörer, und schon sah ich mich in Gedanken in meiner ersten Lesung, umringt von fröhlichen Kindergesichtern🤗, die meine Geschichte feierten.Bis ein Aufschrei😲 diesen wunderbaren Moment zerstörte, und ich viel zu spät bemerkte, dass Anton bereits einen Büschel blonder Haare in seinen kleinen Patsche-Händchen hielt.

Mit Erleichterung im Herzen, dass er Lea immerhin nicht gebissen hatte, nahm ich Anton zur Sicherheit mit mir in die Küche. Meine Kollegin würde schon irgendwie mit der wilden Horde zurechtkommen. Schließlich hatte ich im Kopf bereits eine Einladung zur Talkshow „3 nach 9“!

Während ich als neuer Stern am Kinderbuchhimmel von Giovanni di Lorenzo interviewt wurde und gleichzeitig Gemüse schnippelte, bemerkte ich nicht, dass Anton nach und nach die Küche zerlegte.

RIESENCHAOS!😣

Ich nahm mir fest vor, wieder mit ganzem Herzen Tagesmutter zu sein. Aber ich konnte doch unmöglich die Verleihung des Kinderliteraturpreises absagen?
Ob ich ihn gewonnen habe? Keine Ahnung, denn in all dem Ruhm hatte ich völlig vergessen, Anton die Windel zu wechseln! Was sich grausam rächte, als ich ihn, während der Laudator die Bühne betrat, auf den Schoß nahm.😤

Immerhin ist mir eines ist seither klar:

Ich kann unmöglich gleichzeitig Vollzeit-Tagesmutter und Autorin sein!

Ein Plan B muss her!

Hexenzirkel

RÜCKBLICK 15 aus dem #TagebucheinerTräumerin


Wenn du am Boden liegst, hilft nur noch eins: ein Treffen des Hexenzirkels. Er wird nur vier Mal im Jahr einberufen, weil die Hexen weit verstreut leben und der Alltag die Zeit frisst, aber er ist eine heilende Quelle der Kraft. In meinem Fall sind es Mädels aus allen Epochen meines Lebens. Eine verschworene Gemeinschaft. Wir sitzen zusammen, stoßen an, liegen uns in den Armen und zeigen uns unsere offenen Wunden.
Auch ich lasse meinen ganzen Schmerz heraus:
„Keiner versteht mich“ 😣– sie verstehen mich.
„Keiner glaubt an mich“😡 – sie glauben an mich.
Ich seufze – sie seufzen mit mir.
Ich jammere 😭über zu wenig Zeit zum Schreiben, zu viel Familie, zu viel Beruf – sie jammern mit mir.
Alle – bis auf eine! Sie ist neu im Hexenzirkel. Nicole!
Karlotta hat sie mitgebracht. Angeblich hat sie echte Hexenpower! Ich habe sie bisher fast übersehen, denn sie hört die ganze Zeit nur zu.
Doch dann sagt sie etwas Magisches: „Du bist doch schon längst Autorin! Wenn du das endlich begreifst und annimmst, dann passiert alles andere von selbst.“

Hexenhut auf, Besen besteigen und los

RÜCKBLICK 14 aus dem #TagebucheinerTräumerin:


Reif für die Klapsmühle? Vielleicht!
In den Wechseljahren? Auf keinen Fall!
Midlife-Crisis? Möglicherweise!
Sowieso keine Chance auf dem Buchmarkt?😡

 

Wo bleibt denn da der Zuspruch, die Unterstützung!

Ein „Jawohl Fanni, du schaffst das! Super Idee. Ein Kinderbuch! Dass du in deinem Alter noch so ein Abenteuer angehst, unfassbar!“
Aber nein.

Sie schweigen oder mosern oder ziehen mich runter mit ihren Theorien darüber, dass mit mir irgendwas nicht stimmt.

Ich bin traurig!😭 Und da hilft nur eins: den Hexenzirkel einberufen und um Rat fragen!

Also gut: Hexenhut auf, Besen besteigen und los…

 

Träume interessieren keine Sau

RÜCKBLICK 13 aus dem #TagebucheinerTräumerin

 

Habe eben meinen alten Kumpel Georg auf einen Kaffee in der Stadt getroffen. Er ist auch Autor! Ein Self-Publisher. Und auch einigermaßen erfolgreich! Ich dachte, er holt mich aus meinem Zwischentief, aber er hat es nur noch schlimmer gemacht: „Hast du irgendeine Vorstellung davon, wie viele Manuskripte ein Verlag im Monat bekommt?“
Ich schüttle den Kopf: „200?“
Georg bekommt einen Lachkrampf: „1000 bis 5000!“
🤤 „Das kannst du völlig vergessen. Also entweder verlegst du dein Buch selbst oder du musst dir einen Agenten suchen. So läuft das heute.“
Bevor ich etwas sagen oder auch nur denken kann, legt er nach: „Und die Träume der kleinen Fanni, die schon immer mal Schriftstellerin werden wollte, die interessieren keine Sau. Aufwachen Fanni, da draußen - das ist ein Buchmarkt. Die wollen verkaufen, verkaufen, verkaufen! Da bist du Dienstleister, kein schreibender Künstler, dem der rote Teppich ausgerollt wird.  Du brauchst vor allem die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt. Was Neues! Bloß nix, was es schon 100 Mal gab. Modern, zeitgemäß! Vielleicht kannste dich ja auch an einen ganz neuen Trend noch dranhängen. Worum geht es denn in deiner Geschichte?“
Ich stammle vor mich hin.
„Naja, das klingt ja ganz nett. Aber vielleicht ein bisschen zu klassisch. Da fehlt mir der Zeitgeist. Das ist wie in der Musik. Da müssen auch immer wieder neue Hits produziert werden.“

Mir ist ein bisschen zum Kotzen.😧

Tatsächlich sitze ich auf meinem rosa Autorinnenwölkchen und weigere mich ein Buch zu produzieren! Meine Geschichte kommt aus den Tiefen meines Seins. Darin steckt die Poesie all meiner Erfahrungen und Gedanken. Sie ist die Geschichte, die ich selbst als Kind gerne gelesen hätte. Ich schreibe sie mit meinem Herzblut. Und wenn der Markt sie nicht will, dann hat der Markt eben Pech gehabt!
Ich hasse Georg 😡– ich will das alles nicht hören!

Midlife-Crisis

RÜCKBLICK 12 aus dem #TagebucheinerTräumerin:

Es dreht sich so viel in meinem Kopf. Muss das alles dringend mit Annie besprechen. Sie ist meine beste Freundin. Für alle Digital-Natives: Wir sind beide über 40. Daher telefonieren wir, wenn wir uns etwas zu sagen haben.
Hier ein Auszug: 
Ich: „Du wirst es nicht glauben. Mick hält mich für verrückt. Und meine Mutter glaubt tatsächlich, ich sei schon in den Wechseljahren. Das Erste stimmt möglicherweise, aber eins kann ich dir sagen: mit meinen Eierstöcken ist noch alles in bester Ordnung.“
Annie: „Fanni? Alles klar bei dir? Muss ich mir Sorgen machen?“
Ich: „Nein! Bei mir ist alles in bester Ordnung.“😊
Annie: „Heulst du in letzter Zeit viel?“
Ich: „Nicht mehr als sonst. Wieso?“😭
Annie: „Vielleicht hast du eine Midlife-Crisis.“
Ich: „Hab ich nicht gerade gesagt, dass mit meinen Hormonen alles okay ist? Ich war gerade erst beim Frauenarzt.“😶
Annie: „Das eine muss nichts mit dem anderen zu tun haben. Wechseljahre - das ist was Biologisches, Midlife-Crisis meint was Psychologisches.“
Ich: „Okay, und woran merke ich, ob ich eine Midlife-Crisis habe?“
Annie: „Man fühlt sich hundeelend, weil man das erste graue Haar entdeckt. Und denkt: Never. Ich bin doch erst 28 – gefühlt zumindest.“
Ich: „Ich färbe seit Jahren meine ersten grauen Haare – ganz ohne Crisis!“
Annie: „Aber denkst du nicht manchmal beim Arzt: meine Fresse, lassen die jetzt schon Minderjährige Medizin studieren. Nehmt dem Kind die Spritze weg.“
Ich: „Hm.“🤔
Annie: „Oder vor kurzem, da wäre ich doch beinahe vor Schreck geradeaus in ein Wahlplakat reingefahren. Wer grinst mich da als riesiger Bürgermeister-Kandidat an? Der Loffi! Hallo? Bürgermeister. Das sind doch alte Männer, oder etwa nicht?
Ich: „Der hat doch gerade erst mit uns Abitur gemacht!“
Annie lacht: „Gerade erst? 2019 feiern wir 25 Jahre Abitur.“
Ich: „25 Jahre ist das her?🤤 Ich glaub, jetzt krieg ich gerade ne Midlife-Crisis.“
Annie: „Sag mir jetzt bitte mal ehrlich, was los ist. Hast du dich verknallt?“
Ich: „Nein, ich schreibe ein Kinderbuch.“

Von wegen Wechseljahre

RÜCKBLICK 11 aus dem #TagebucheinerTräumerin:

 

 „Keine Sorge, Frau Federfels, Sie stehen noch voll im Saft. Ihre Eizellen feiern fette Partys!“
Ha! Das waren die glorreichen Worte meines Frauenarztes!😁

Nix Menopause.
Nix Wechseljahre.
Nix Hormonschwankungen!


Ob ich meine Mutter gleich anrufe? Besser nicht. Ich freue mich einfach für mich allein: Yippieh. Ich bin fruchtbar wie ein junges Häschen.😋

Ach. Ich liebe meinen Frauenarzt! Nicht so.
Sondern wie einen schwulen Mitbewohner. Er ist so eine herrliche Labertasche. Ich bin mir sicher, man könnte weinselige Nächte mit ihm durchquatschen. Manchmal frag ich mich allerdings, wie er bei Themen von Europapolitik über Datenschutz bis hin zu seinen Kindern auf dem Ultraschallbild überhaupt wahrnehmen kann, was meine Eierstöcke so treiben.
Ach, egal. Er hat es gesagt. Nochmal für alle: „Sie stehen voll im Saft, Frau Federfels“.🤗
„Da mach ich glatt Eisprünge vor Freude!!!“

Mick kommt aus dem Bad und fixiert mich misstrauisch: „Eisprünge? Willst du mir irgendwas damit sagen?“

Seine Augen verengen sich zu Schlitzen - als wolle er meine Gedanken lesen. „Noch mal dieser ganze Babymist und ich springe vom Balkon.“🤤
Ich könnte es ihm erklären. Aber ich weiß nicht, ob es irgendeinen Sinn macht. Schließlich hält er mich ja schon für verrückt genug!

Eine Geschichte über tanzende Eizellen, die eine Party feiern, könnte diesen Eindruck noch verstärken.
Ich greife zu den Waffen einer Ehefrau und lächle.😊
Ganz nach den weisen Worten meiner einstigen Hebamme, die stets sagte: „Lächle, und der Muttermund lächelt mit.“

Waaaaaasss?

RÜCKBLICK 10  aus dem #TagebucheinerTräumerin:

 

„Du hast ein bisschen zugenommen, oder?“

Ich platze.
Kaum habe ich ihr von meiner Kinderbuchidee erzählt, wechselt meine Mutter das Thema: „Das ist ganz normal in deinem Alter. Der Stoffwechsel. Man isst wie vorher und wird trotzdem jeden Tag dicker.“
„Ich finde mich super so“, antworte ich nur knapp und setze zum zweiten Versuch an.
Doch bevor ich weitererzählen kann, wirft sie ein: „Du könntest deinen Hormonspiegel ja einfach mal beim Frauenarzt testen lassen.“ Langsam geht mir ein Licht auf, nein , eine ganze Lasershow.
Sie hat gar nicht das Thema gewechselt.
Im Gegenteil: sie ist mittendrin.
Sie denkt, dass die Wechseljahre eingesetzt haben. Das arme Kind auf dem egoistischen Selbsterfahrungstrip. Und Schuld sind die Hormone!
Sie fürchtet, dass ich meine Familie vernachlässige und mit dem Schreibcoach durchbrenne. Ich sehe es in ihren Augen. Das Familienidyll ist in Gefahr. Die Ehefrau emanzipiert sich! Alarm!!!

„Mama, ich will nur ein Kinderbuch schreiben. Das ist alles.“

„Ja, Schätzchen. Das hast du gesagt“, dann lächelt sie mich an und streicht mir liebevoll über den Kopf: „Und was sagt dein Mann dazu?“

WAAAAAAAASSSSSSSS?????

Meine neue Brieffreundin

RÜCKBLICK 9  aus dem Tagebuch einer Träumerin: 

 

„Guten Morgen, Marion“, sage ich, als ich mein Büro im Dachgeschoss betrete.
„Was hast du gesagt?“, ruft mein Mann von unten die Wendeltreppe hinauf.
„Nix, ich hab nur der Schreibmaschine Guten Morgen gesagt“, antworte ich arglos.
Kurzes Schweigen.

Dann höre ich Gezeter: „Okay, ich habe Peter ausgehalten. Auch diese bescheuerte Susi hab ich irgendwie überlebt. Aber wenn du jetzt auch noch mit der Schreibmaschine redest, lass ich mich scheiden.“

Was er nur wieder hat?🤔

Verstehe gar nicht, was er meint.😎

Peter war doch nur eine Puppe. Eine für Jungs eben -  mit Penis. Ich als Tagesmutter muss doch auch mein eigenes Kind geschlechterneutral erziehen. Da ist eine Penispuppe doch das Mindeste, oder nicht?
Na, und Susi? Das ist eine sehr große Handpuppe! Die kann halt quatschen. Und sagt alles, was ich sie sagen lasse. Als ich sie gerade neu gekauft hatte, hab ich mich morgens hinterm Bett versteckt, und Susi hat Mick dann ganz liebevoll an den Füßen gekitzelt.
Könnte mich jetzt noch wegschmeißen, so lustig war sein Aufschrei des Entsetzens.😨😲
Dabei war es doch nur Susi, die pädagogisch wertvolle Handpuppe, und nicht Chucky, die Mörderpuppe.🤣

Ob er mir das noch nachträgt?

„Marion, keine Sorge. Normalerweise ist er eigentlich ganz nett.“
„Redest du schon wieder mit der Schreibmaschine?“
Oh weh, er meint es ernst. Aber ich hab eine Idee.

Dann setze ich mich und beginne zu tippen: „Liebe Marion, ich werde dir in Zukunft einfach schreiben. Du wirst meine neue Brieffreundin. Aber, psst, kein Wort zu meinem Mann.“

Eingriff am offenen Herzen

RÜCKBLICK 8 aus dem Tagebuch einer Träumerin:

Bin immer noch fix und fertig. Habe gerade meine verschmierten Handschuhe abgestreift und muss mich erst mal setzen. Ich weiß nicht, ob ich weinen oder lachen soll. So ein Stress!
Ich dachte ja, ein Farbband für eine Schreibmaschine von 1964  zu bekommen, sei schwierig, doch das war ganz einfach – dank des weltweiten Webs.
Das Farbband auszutauschen, hielt ich dagegen für ein Kinderspiel.

So kann man sich irren.🤤 Wie ein Chirurg bei seinem ersten Eingriff am offenen Herzen, habe ich es mit zitternden Händen , mit Schweißperlen auf der Stirn und der vollen Konzentration, die es braucht, wenn es um Leben und Tod geht, irgendwie hineingefriemelt.

Ich brauchte drei Anläufe und war auch kurz davor aufzugeben.

Aber nun bin ich doch stolz:😁 Die Operation ist geglückt, Marion lebt.🤗

Darf ich vorstellen: das ist Marion

RÜCKBLICK 7 aus dem #Tagebuch einer Träumerin:

Darf ich vorstellen: das ist Marion. Sie begleitet mich auf meiner Abenteuerreise in die Welt der Autoren. Ich dachte, jeder Schriftsteller sollte eine Schreibmaschine besitzen. Also hab ich mich auf die Suche gemacht und tatsächlich eine gefunden. Über ein bekanntes Kleinanzeigenportal. Ein Dachbodenfund – so riecht Marion auch.😨

Ansonsten hat sie sich gut gehalten, wenn man bedenkt, dass sie ungefähr 50 Jahre alt ist.
Alle Tasten funktionieren. Nur das Farbband muss ausgetauscht werden.

Ob ich darauf mein Buch schreibe?
Natürlich nicht!😎

Die Weisheit des kleinen Mannes

RÜCKBLICK  6  aus dem #TagebucheinerTräumerin:

 

Die Küchenuhr verrät die grausame Wahrheit: es ist 5.10 Uhr. Heute bin ich extra früh aufgestanden, habe den Computer hochgefahren und mir eine Tasse Mate-Tee gekocht.  In den letzten Tagen musste ich schmerzlich feststellen, dass mehr zum Schreiben gehört als eine Idee, ein Konzept und ein Worddokument.  Ich brauche  Zeit, Ruhe und Inspiration.😣
Diese drei Dinge auf einmal sind in meinem Leben so gut wie nie zu finden. Jeden Morgen stehe ich um 5.50 Uhr auf, scheitere  an dem Versuch,  ein nörgelndes Morgenmuffel-Kind rechtzeitig zur Schule zu bringen, und krabbele anschließend  auf allen Vieren durch meinen Tag als Tagesmutter. 
Nach acht Stunden zwischen Pampers, Brei und Schnuddelnasen widme ich mich wieder in verschiedenen Rollen meinem Sohn. Mal bin ich Chauffeur, mal Eventmanagerin und  immer überforderter Zuhörer.  Ich habe den Verdacht, dass er den ganzen Tag Wörter sammelt, nur um sie abends in einem massiven Redeschwall über mich zu ergießen. Meistens geht es um Dinge aus der Welt der Computerspiele, die mein müdes, gestresstes Gehirn total überfordern: „Mama, hab ich dir schon von den Schleimbällen erzählt? Also, da gibt es welche, die muss man mit Hühnern füttern.  Aber du musst aufpassen, denn die können jederzeit explodieren. Cool, oder?“ HÄÄÄÄÄÄÄHHHHHH?🤤 Zum Glück redet er nicht immer nur Unfug. Manchmal hat er auch lichte Momente. Ich nenne es die „Weisheit des kleinen Mannes“.

Kürzlich fragte er mich: „Wie weit bist du denn mit deiner Geschichte?“

Ich druckste herum und murmelte  irgendetwas von: „Ich hab ja so wenig Zeit zum Schreiben“.

Da überlegte er kurz 🤔und antwortete mit der Klarheit und Genialität eines Kindes: „Wieso schreibst du denn nicht einfach jeden Tag einen Satz?“
Ja, wieso eigentlich nicht?
Jetzt ist es 5.40 Uhr.
Mir bleiben noch zehn Minuten, bis offiziell mein Wecker klingelt.
Für einen Satz muss es reichen …

Alles eine Frage der Prioritäten

RÜCKBLICK  5 aus dem #TagebucheinerTräumerin:

 

„Was machst du denn da?“ Mein Mann blickt mir über die Schulter.

„Schreiben!“

„Ah. Etwa an deinem Arbeitslosen-Musical?“

Ich reagiere nicht.

„Oder vielleicht an einem Kochbuch für Linkshänder?“

Ich lächle.

„Nein, sag nichts: Ein Krimi, in dem eine Journalistin zufällig über einen Mord stolpert. Hab ich Recht? “
Ja, und es stirbt der Ehemann, denke ich.
Er denkt, dass ich meine Zeit verschwende, weil ich sowieso keine Zeit finden werde, es durchzuziehen.
Aber  er irrt!

 

Es ist alles nur eine Frage der Prioritäten:

Ab sofort:
1. Buchprojekt
2. Buchprojekt
3. Buchprojekt
4. Familie


Ich kann Unordnung aushalten. Zur Not kann ich auch tagelang mit geschmierten Broten überleben. Und wenn keine gewaschenen Unterhosen mehr im Schrank sind, kaufe ich eben neue - für uns alle …

 

Fiebriges Delirium

RÜCKBLICK 4 aus dem #TagebucheinerTräumerin:

Ich hasse Lea. Zumindest jedes Mal, wenn ich meinen Kopf in die Kloschüssel halten muss. 🤤Und ich hasse ihre Mutter, die das kleine Mädchen krank zu uns in die Kindertagespflegestelle gebracht hat. Mit den Worten: „Sie ist wieder völlig okay.“ Von wegen!

Aber es geht bergauf. Inzwischen spreche ich nicht mehr zu Gott, und das Wasser, das ich trinke, bleibt drin.
Ich bin auch wieder in der Lage, um 7.45 Uhr der Handlung von Knight Rider zu folgen. Unglaublich, was für alter Schrott morgens im Fernsehen gezeigt wird.

Tatsächlich bin ich meinem Schicksal auch dankbar. Denn Magen-Darm-Viren können auch Gutes leisten. Erstens habe ich dank ihnen mindestens zwei Kilo abgenommen. Und zweitens hat das fiebrige Delirium, das sie ausgelöst haben, meine Fantasie beflügelt. Mir sind ganz wunderbare Szenen für mein Kinderbuch eingefallen.


Der Plan: Den Rest der Woche im Bett werde ich Michael Knight und seinen Kumpel KITT wieder alleine Verbrecher jagen lassen. Stattdessen werde ich meinen eigenen Turbo Boost drücken, um die Handlung meines Kinderbuches zu Papier zu bringen.

Damit der Plot steht, und es endlich mit dem Schreiben losgehen kann… 🤗

Alle halten mich für verrückt

„Ich möchte Schriftstellerin werden.“ Dieser kleine Satz klingt bezaubernd aus dem Mund einer Sechsjährigen, die gerade die ersten Buchstaben zu Papier bringt. Die Eltern freuen sich, erzählen die Anekdote freudestrahlend der gesamten Verwandtschaft. Alle lachen. Wiederholt man diese vier Worte dann noch einmal mit 18, lacht keiner mehr.

Im Gegenteil: „Das ist doch kein Beruf, Schätzchen.“

Wagt man es dann mit über 40 noch einmal, es auszusprechen. Dann halten dich alle für komplett verrückt, und nennen es Midlife-Crisis. Scheiß drauf. Die Sache steht fest. Ich werde Schriftstellerin! Und ich schreibe ein Kinderbuch!

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Traumjob

RÜCKBLICK 4 aus dem #TagebucheinerTräumerin:

Das Mittagsschläfchen – das ist es, was ich an meinem Traumjob  als Tagesmutter am meisten liebe.
Naja, ich schlafe nie wirklich, aber ich döse - auf einem riesigen Matratzenlager, umzingelt von zehn zuckersüßen Babys. Ich höre ihren Atmen, ich spüre ein kleines Händchen, das sich an mir festhält. Hier und da ein genüssliches Schnuller-Schmatzen. Alles ist so friedlich.

 

Kaum vorstellbar, dass sie eben noch wie betrunkene Musiker nach einem Hardrock-Konzert das komplette Spielzimmer zerlegt haben. Innerhalb weniger Minuten sah es bei uns aus wie in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Dann wird man - zack - von der Tagesmutter zur Trümmerfrau.

Manchmal denke ich, sie  passen die Gelegenheit zum Chaos immer genau ab. Meine Kollegin räumt die Küche auf, ich kämpfe mit einem schmierigen, mokkafarbenen Kacka. Und schon bläst eines der Babys zum Sturm. Natürlich endet die Schlacht nie ohne Verletzte. Klötzchen auf dem Kopf können hässliche Beulen verursachen. Ich frage mich, wie ich das wieder Antons Mutter erklären soll.

Uh, neben mit würgt jemand. Es ist Lea. Sie ist heute wieder den ersten Tag da. Magen-Darm-Grippe. Ihre Mutter sagt, sie sei wieder völlig gesund.
Oh, nein, alles vollgekotzt.  Uhaaa!  Beam me up, scotty!

Meine Familie und ich

Da sie in meinem Leben eine nicht unerhebliche Rolle spielt, dachte ich, ich stelle euch mal meine Familie vor:

Da ist mein Mann Mick. Er liebt mich, aber er hält mich für total durchgeknallt. Wir haben uns vor 15 Jahren kennengelernt. Auf einer Party, also in der echten Welt. Digital wäre aus uns niemals etwas geworden. Der Algorithmus von Partnerbörsen hätte uns nicht zusammengebracht.
Damals war ich eher Typ „Karaoke & Karneval“ und er „Fußballfan & Wohnzimmerpunk“. Allerdings waren wir uns von Anfang an in zwei Dingen einig.

1.Man sollte das Leben in vollen Zügen genießen.
2. Zu zweit macht es doppelt so viel Spaß. Inzwischen haben wir uns weiterentwickelt. Ich bin ich jetzt eher so Typ Rotwein und er Typ Weißwein. Passt perfekt!
Und dann gehört zu unserer Familie natürlich noch Bo, unser Sohn. Seit er vor zehn Jahren zur Welt kam, nervt es ihn, ein Kind zu sein. Innerlich sei er schon 30, sagt er.  Und für die Schublade: Typ „Kleiner Nerd  und  Quasselstrippe“. Aber so was von liebenswert.  

 

P.S. Ich werde mein Kinderbuch nicht selbst illustrieren. Versprochen!

Schublade der vergessenen Helden

RÜCKBLICK 2 aus dem #TagebucheinerTräumerin :

Ich sitze vor meiner Schublade der vergessenen Helden, die mit Zetteln voller Ideen und angefangener, aber nie beendeter Romane überquillt. Sie ist der Beweis für meine Leidenschaft  und zugleich das Mahnmal meines Scheiterns.

Heute werde ich sie öffnen, ein bisschen mit der Angst im Genick, von all meinen Figuren böse beschimpft zu werden. Schließlich sitzen sie in ihren Geschichten fest und warten darauf, dass ich sie endlich ihre Abenteuer zu Ende erleben lasse.

Oh, ich fühle mich hundeelend.

Aber da muss ich jetzt durch, denn ich möchte heute eine von ihnen befreien. Ein kleines Mädchen, das irgendwo zwischen all diesen Papieren lebt. Es ist höchste Zeit,  sie zum Leben zu erwecken und sie zur Heldin meines Kinderbuches zu machen.
Für den Anfang hat sie bereits alles, was es braucht: Ein großes Herz, den Kopf voller Fantasie, ein fröhliches  Lachen und ein aufregendes Abenteuer vor sich.

Ich schwöre feierlich:  Meine Heldin soll  alles erleben, wovon sie je geträumt hat – gegen alle Widerstände und gegen alle Zweifler.

Dieser Psychoterror muss aufhören

RÜCKBLICK 1 aus dem #TagebucheinerTräumerin:

Es ist Schluss. Ein für alle Mal. Dieser Psychoterror muss aufhören.😡 Heute Morgen – auf dem Weg zur Arbeit. Schon wieder! An der Bushaltestelle vor der Schule, dann auf der Höhe des Supermarktes und dann noch mal am Ende der Landstraße.

 

Überall verfolgte mich dieses bescheuerte Werbeplakat! 

Mit immer derselben  Botschaft:

„Schreib dein Buch“. ⠀
„Schreib dein Buch“. ⠀
„Schreib dein Buch“.


Ich hasse es. Genau wie die ekelhaft selbstzufrieden lächelnde Frau darauf, die ein Buch auf dem Kopf balanciert. „Ja, doofe Kuh,  ich will ja, aber wann denn?“ schrie ich ihr laut entgegen und hätte sie am liebsten mit faulen Eiern beworfen. „Du siehst nicht so aus, als würdest du Vollzeit arbeiten und dann noch diesen ganzen Familienwahnsinn regeln.“

Und was gibt mir diese dumme Schnepfe seitdem immer wieder zur Antwort, ganz leise, so dass nur ich es hören kann: „Wenn du es wirklich willst, dann mach es doch einfach!“ Jetzt  ist Schluss. Ein für alle Mal. Ich höre mir das nicht länger an. Ich muss sie zum Schweigen bringen!🤐

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